Marius Perger | Börsen-Kurier
Diversifikation der Geldanlagen bleibt wichtig und professionelle Beratung auch 2026 unverzichtbar.
Die aktuelle Prognose von S&P Global Mobility zeigt, dass der asiatische Markt derzeit die treibende Wachstumskraft in der Automobilbranche ist - mit Wachstumsraten von zwei bis vier Prozent im Jahr 2025, während der Absatz in Europa stagniert. Die einstigen Marktführer in China wie VW oder Mercedes wurden dort inzwischen von einheimischen Herstellern wie BYD überholt, die mit rund 69 % Marktanteil den chinesischen Markt dominieren. Damit drängen auch immer mehr chinesische Zulieferer in die Branche. Laut einer Studie des Unternehmensberaters PwC kommen mittlerweile acht Zulieferer der weltweiten Top 100 aus China. Die Krise der deutschen Autobauer ist daher nicht zuletzt auch ein Problem für die österreichischen Zulieferer.
Wolf von Rotberg, Equity Strategist, Economic and Strategy Research bei Bank J. Safra Sarasin, sieht relativ zuversichtlich in das kommende Jahr. Er erwartet einen moderaten Aufschwung in Europa und in den USA, getragen von dem Anstieg der Fiskal- und Konsumausgaben diesseits und jenseits des Atlantiks. In Europa gebe es Chancen im Infrastrukturbereich, der Baubranche, bei mittelgroßen Unternehmen, aber auch bei den Konsumgütern. Profitieren könnte auch das Luxussegment, mit einer soliden Entwicklung rechnet von Rotberg im Gesundheitssektor. Und im Technologiesektor geht er von einer soliden Performance jener Unternehmen aus, die die KI-Produktentwicklung vorantreiben.
Anita Frühwald, Country Head BNP Paribas Asset Management Austria & CEE, geht auf die Situation in Österreich ein: „Als Land, das von Exporten abhängig ist, tut uns die schwächelnde Nachfrage unserer wichtigsten Handelspartner - insbesondere Deutschlands - weh, und die Zollpolitik der USA birgt viele Unsicherheiten für den gesamten Welthandel.“ 2026 werde ein Jahr der Unsicherheit für Österreich werden, Reformen seien nötig, um wirtschaftlich wieder in die Spur zu finden. Doch trotz des schwierigen makroökonomischen Umfelds seien österreichische Unternehmen hervorragend am Weltmarkt positioniert: „Wir können optimistisch in die Zukunft blicken, wenn die Politik die Rahmenbedingungen verbessert.“
„Sicherlich wird auch 2026 kein ruhiges Jahr“, ergänzt Torsten Seuberth, Senior Wholesale Manager bei DNB Asset Management (International). Zu viele Konflikte, wie beispielsweise der Handelskrieg, könnten sich verstärken, müssen es aber nicht. Diese Ungewissheit werde die Märkte bestimmen, die daraus resultierende Volatilität gebe Anlegern aber auch Chancen. Daneben verweist Seuberth auf die weitgehende Stabilität in den nordischen Ländern. Diese Märkte würden seit 20 Jahren ein solides Wachstum verzeichnen, außerdem seien die skandinavischen Länder führend in den Bereichen der Digitalisierung und würden über hohe ESG-Ratings verfügen.
Diversifikation wichtig
Klar ist, dass in der aktuellen Situation eine gute Portfolio-Diversifikation wichtig bleibt. Die von uns befragten Experten gehen darauf ein, welche Produktkategorien sich dafür 2026 besonders eignen werden.
Von Rotberg erwartet, dass sich eine gute Diversifikation bewähren dürfte, sowohl im Aktienbereich, in dem die Performance weniger stark von einzelnen Titeln getrieben sein sollte als in den vergangenen Jahren, aber auch über die Anlageklassen hinweg. Weiterhin Potenzial sieht er bei Gold, solide Zugewinne sollte es bei strategischen Rohstoffen geben.
Auch für Frühwald bleibt Diversifikation in verschiedene Assetklassen und Regionen für den Anlageerfolg entscheidend. Die geo-politischen Verschiebungen, die weiterhin sinkende Inflation in Europa sowie die zunehmende Fragmentierung im Welthandel würden breit aufgestellte Portfolios erfordern - mit einer Kombination aus flexiblen Anleihestrategien, Qualitätsaktien und ausgewählten Privatmarktinvestments. Als „Stabilitätsanker“ können flexible Rentenlösungen dienen, so Frühwald.
Seuberth sieht auf der Aktienseite eine zu starke Konzentration vieler Anleger bei US-Unternehmen bzw. den „Magnificent Seven“. Tech-Unternehmen würden aber dennoch den Wachstumsmotor der Wirtschaft darstellen. Bei langfristigen Anlagestrategien sollte die generative KI auf jeden Fall im Auge behalten werden. In einem Umfeld strukturell erhöhter Marktunsicherheit könnten auch Absolute-Return-Ansätze sinnvoll sein, und schließlich biete der nordische Rentenmarkt internationalen Anlegern die Möglichkeit zur Diversifizierung in eine stabile, wachstumsstarke Region.
Worauf Berater setzen sollten
Seuberth betont, dass Beratung auch im kommenden Jahr unverzichtbar bleiben wird, wobei drei Trends für Berater besonders relevant seien: Erstens werde der Fokus auf Qualität und Stabilität weiter zunehmen, weiters werde das Zinsniveau wieder stärker in den Mittelpunkt rücken und schließlich würden strukturelle Wachstumsthemen wie Digitalisierung, Elektrifizierung oder Demografie an Bedeutung gewinnen. Seuberth: „Diese Trends bieten langfristige Investmentchancen und helfen Beratern, ihren Kunden eine klare Zukunftsperspektive aufzuzeigen.“ Insgesamt sollten Berater ihre Schwerpunkte daher auf robuste Portfoliokonstruktion, intelligentes Zinsmanagement und den Zugang zu langfristigen Wachstumstreibern legen.
KI werde weiterhin eine dominante Rolle spielen, allerdings werde es eine starke Ausdifferenzierung einzelner Unternehmen geben, so Von Rotberg; gute Beratung und aktives Management dürften vor diesem Hintergrund eine wichtige Rolle spielen. Nachhaltige Investitionen könnten aufgrund ökonomischer Notwendigkeit wieder verstärkt an Gewicht gewinnen. Und ab der Jahresmitte dürfte eine zunehmende Absicherung der Gewinne der letzten Jahre relevanter werden. Berater sollten deshalb im Jahresverlauf mehr auf strukturelle Themen als auf kurzfristige Markttrends setzen.
Auch Frühwald geht auf die KI ein: Sie empfiehlt Beratern, Kunden „aktiv auf das enorme - und oft unterschätzte - strukturelle Potenzial von KI“ hinzuweisen. Interessante Themen seien auch Healthcare aufgrund der alternden Gesellschaft sowie alternative Energien aufgrund des zunehmenden Energiehungers der Weltwirtschaft. Und last but not least würden Emerging Markets wieder interessante Investmentchancen sowohl auf der Bondseite als auch auf der Aktienseite bieten.
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