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Börsen-Kurier: Notenbankertreffen - Zinssignale aus Wyoming

Autor: Michael Kordovsky | Börsen-Kurier

Fed-Chef Warsh sieht bei der Inflation weiter Handlungsbedarf.

Beim Symposium in Jackson Hole in der Vorwoche stand 2026 „Financial Innovation: Implications for Payments and Policy“ im Mittelpunkt. Den größten Markteinfluss hatte am vergangenen Freitag die erste Rede des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh. Daneben ging es intensiv um Stablecoins, tokenisierte Einlagen und die Rolle der Zentralbanken in einer zunehmend digitalen Finanzwelt.

Inflation bleibt Priorität

Warsh stellte in Jackson Hole klar, dass das 2-%-Inflationsziel (PCE-Inflation; der Personal Consumption Expenditures Price Index, PCE, heißt auf Deutsch Preisindex für persönliche Konsumausgaben, Anm.) der Fed „fest und unverrückbar“ sei und kurzfristige Zinsen das wichtigste geldpolitische Instrument bleiben. Zugleich zeichnete er ein robustes Bild der US-Wirtschaft. Die Arbeitslosenquote liege bei 4,1 %, die realen Konsumausgaben seien in vier Quartalen um mehr als 2 % gestiegen und die private inländische Endnachfrage heuer um knapp 3 %. Die Investitionen in Ausrüstung und immaterielle Güter legten binnen vier Quartalen um rund 9 % zu. Mehr als die Hälfte des diesjährigen Investitionswachstums führt Warsh auf den KI-Ausbau zurück.

Umso deutlicher fiel seine Inflationsdiagnose aus. Die PCE-Inflation lag im Juli bei 3,7 % auf Jahressicht. Zudem verteuerten sich 54 % der 199 PCE-Komponenten binnen zwölf Monaten um mehr als 3 %. Die Fed müsse überzeugt sein, dass sich die zugrunde liegende Inflation „klar und mit ausreichender Geschwindigkeit“ auf das Ziel zubewege. Andernfalls „haben wir Arbeit zu erledigen“, so Warsh sinngemäß übersetzt. Zugleich betonte er, er sei der geldpolitischen Disziplin verpflichtet.

Weniger Forward Guidance

Ein zweiter Schwerpunkt seiner Jackson-Hole-Rede war die neue Kommunikation. Eine regelmäßige Forward Guidance als geldpolitische Steuerungsmöglichkeit hält Warsh außerhalb von Krisenzeiten für überholt, weil sie Marktteilnehmer fehlleiten und zugleich den Handlungsspielraum der Fed einschränken könne. Stattdessen will er stärker auf möglichst unverfälschte Signale aus den Treasury-Märkten, dem Dollar, dem Kreditmarkt, den Rohstoffpreisen und anderen Indikatoren achten. Diese Daten sollten die kurzfristige Konjunktur- und Inflationseinschätzung der Fed über den gesamten Konjunkturzyklus hinweg prägen.

Zinserhöhung wahrscheinlicher

Die Märkte verstanden die Rede als eher restriktives Signal. Laut FedWatch-Tool der CME stieg die eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bei der September-Sitzung von 39,9 % eine Woche vor der Rede auf 57 % danach. Die Rendite zweijähriger US-Treasuries stieg um mehr als 11 Basispunkte auf 4,35 %, jene 10-jähriger Papiere lag bei 4,72 %. Der S&P 500 verlor am Freitag, dem 28. August, rund 0,3 %, während der Dollar zulegte.

Geldsystem wird digital

Beim eigentlichen Symposiumsthema setzte EZB-Direktorin Isabel Schnabel einen Akzent. Sie plädierte in ihrer Jackson-Hole-Rede dafür, dass Zentralbanken die Distributed-Ledger-Technologie (DLT) nutzen und selbst „on-chain“ gehen sollten. Das bedeute, Zentralbankgeld in die tokenisierte Umgebung zu bringen und die Instrumente zur Umsetzung der Geldpolitik zu modernisieren.

Genau in diese Richtung bewegt sich die EZB mit ihren Projekten „Pontes“ und „Appia“ und ebnet damit den Weg für ein tokenisiertes Finanzsystem in Europa. Stablecoins seien dabei als Ergänzung zu Zentralbankgeld zu verstehen, nicht als dessen Ersatz.

BIZ-Generaldirektor Pablo Hernández de Cos argumentierte im Jackson-Hole-Panel ähnlich. Stablecoins erfüllten in ihrer heutigen Form zentrale Eigenschaften von Geld noch nicht vollständig. Tokenisierte Bankeinlagen könnten dagegen die Verbindung zwischen Einlagenaufnahme und Kreditvergabe erhalten, während die Abwicklung zwischen Banken weiterhin in Zentralbankgeld erfolgt.

Ziel: Flexiblere Finanzwelt

IWF-Chefin Kristalina Georgieva spannte beim Treffen in Wyoming den Bogen zum Anleihemarkt. Tokenisierung und Stablecoins könnten aufgrund ihrer eigenen Vorteile und durch stärkeren Wettbewerb die globale Finanzwelt „flexibler“ machen. Insbesondere Stablecoins hätten das Potenzial, grenzüberschreitende Zahlungen in großer Höhe kostengünstiger und schneller abzuwickeln. Zugleich würden sich Risiken in einem flexibleren globalen Finanzsystem schneller übertragen.

Georgieva verwies darauf, dass die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen der USA, Frankreichs und Japans auf den höchsten Niveaus seit 2007, 2008 beziehungsweise 1996 liegen. Angesichts steigender fiskalischer Belastungen müssten Zentralbanken an der Preisstabilität festhalten und dürften die Staatsfinanzierung weder durch zu niedrige Leitzinsen noch durch neue Anleihekaufprogramme entlasten.



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