Christian Sec | Börsen-Kurier
Frachtraten steigen moderat – heimische Importeure vorerst gelassen.
Laut dem Drewry World Container Index sind die Frachtpreise in den vergangenen drei Wochen auf dem Seeweg von Shanghai nach Rotterdam um mehr als 20 % gestiegen. Die aktuellen Anstiege der Frachtraten sind auf höhere Treibstoff- und Risikokosten zurückzuführen.
Und auch der Ausblick sieht nicht rosig aus, denn wichtige Reedereien wie MSC und CMA CGM haben für Ende März eine deutliche Erhöhung der Raten bereits angekündigt, wie Drewry berichtet. Der Preisanstieg von rund 2.000 auf 2.400 USD selbst ist bislang für die leidgeplagten Importeure noch nicht besorgniserregend. Denn im vergangenen Jahr stiegen im Zuge der Zollverwirrungen, die Donald Trump mit seiner Politik ausgelöst hatte, die Frachtraten zumindest kurzfristig von 2.000 auf 2.800 USD. Und diese Werte sind noch immer weit von den mehr als 10.000 USD für die Frachtrate eines 40-Feet-Containers entfernt, die man während der Corona-Krise berappen musste.
Störungen bei Aluminium
Es kommt also nicht von ungefähr, dass einzelne Importeure bereits auf Luftfracht ausweichen. Bei energie- und rohstoffnahen Lieferketten sieht die Lage derzeit angespannter aus als im allgemeinen Containerverkehr. Reuters meldete zuletzt deutliche Störungen bei Aluminium und Helium: Produktionskürzungen, Umleitungen und Rohstoffmangel treiben dort die Knappheitsrisiken nach oben.
Damit ist auch der Aluminiumhersteller Amag von den Ereignissen unmittelbar betroffen. Der Konzern arbeitet seit Jahren mit einem breit aufgestellten, vorausschauenden Logistik- und Beschaffungsmanagement. „Wir beobachten die globalen Transportmärkte laufend und diversifizieren unsere Transportwege sowie unsere Dienstleister und tendieren zu längerfristigen Vereinbarungen. Damit schaffen wir Planungssicherheit, können aber solche Extremereignisse wie aktuell nicht vollständig kompensieren“, erklärt das Unternehmen gegenüber dem Börsen-Kurier.
Fixpreisverträge vs. steigende Rohstoffkosten
Der Tech-Konzern ams-Osram meldet uns derzeit noch keine nennenswerten Lieferverzögerungen. Trotzdem bindet der lange Kap-Umweg, der jedoch nicht erst seit dem neu entflammten Krieg besteht, weiter Schiffe und Container. Reuters meldet diesbezüglich bereits entstehende Engpässe, sogenannte Bottlenecks, an afrikanischen Bunker- und Umschlagpunkten auf den Weg nach Europa.
Fest steht: Steigende Frachtraten haben Kaskadeneffekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Höhere Transportkosten verteuern importierte Rohstoffe, was wiederum zu höheren Preisen bei Endprodukten führt – und letztlich inflationäre Tendenzen begünstigt.
Der Grazer Andritz-Konzern schreibt in seinem Geschäftsbericht: Sollten die Preise für Rohstoffe, Energie und Zulieferprodukte aufgrund neuer Konflikte, wie z.B. im Roten Meer, ansteigen, so könnte dies negative Auswirkungen auf die finanzielle Entwicklung haben. Das ist auch deswegen so, weil viele Aufträge, die Andritz abwickelt, auf Fixpreisverträgen basieren.
Im Vorjahr konnte Andritz Schwankungen bei Rohstoff- und Materialpreisen durch verschiedenste operative Maßnahmen weitestgehend kompensieren, so das Unternehmen im erwähnten aktuellen Geschäftsbericht.
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