Christian Sec | Börsen-Kurier
Europas Auto-Hersteller verlieren Marktanteile - mit Folgen für die heimische Industrie.
Die aktuelle Prognose von S&P Global Mobility zeigt, dass der asiatische Markt derzeit die treibende Wachstumskraft in der Automobilbranche ist - mit Wachstumsraten von zwei bis vier Prozent im Jahr 2025, während der Absatz in Europa stagniert. Die einstigen Marktführer in China wie VW oder Mercedes wurden dort inzwischen von einheimischen Herstellern wie BYD überholt, die mit rund 69 % Marktanteil den chinesischen Markt dominieren. Damit drängen auch immer mehr chinesische Zulieferer in die Branche. Laut einer Studie des Unternehmensberaters PwC kommen mittlerweile acht Zulieferer der weltweiten Top 100 aus China. Die Krise der deutschen Autobauer ist daher nicht zuletzt auch ein Problem für die österreichischen Zulieferer.
Abhängigkeit von Mercedes und VW
Beim oberösterreichischen Kunststoffverarbeiter Polytec entfallen rund zwei Drittel des Umsatzes auf Mercedes und VW. Eine Neu-strukturierung des Automobilgeschäfts hat daher höchste Priorität. Für ein breiter aufgestelltes Kundenportfolio soll der Geschäfts-bereich Smart Plastics & Industrial Applications sorgen, der jedoch derzeit noch in den Kinderschuhen steckt.
Mittelfristig soll der Umsatz der neuen Kundengruppen von derzeit rund 10 auf etwa 30 % des Konzernumsatzes ausgebaut werden, wie der Polytec-IR-Manager Paul Rettenbacher gegenüber dem Börsen-Kurier erklärt.
Sorge bei Analysten
Beim Licht- und Halbleiterspezialisten ams Osram liegt der Anteil des Automotive-Kundensegments bei rund 50 %. Das Unternehmen berichtet in seinem aktuellen Finanzbericht davon, dass sich das Autogeschäft leicht erholt hat, weil sich die Lagerbestände in der LED-Lieferkette normalisiert haben. Die Normalisierung erfolgt jedoch auf niedrigem Niveau. Das Unternehmen erwartet für sein Halbleitergeschäft im Bereich Automotive eher stabile Nachfrage, die die anhaltende Marktunsicherheit bei Herstellern und Zulieferern widerspiegelt.
In den vergangenen Wochen korrigierten drei Analystenhäuser die ams-Osram-Aktie deutlich nach unten. Jefferies verweist explizit auf die hohe Abhängigkeit vom Automobilsektor, während die Deutsche Bank schwache Auto-LED-Umsätze als wesentlichen Belastungsfaktor nennt. JPMorgan wiederum betont erhebliche Unsicherheiten hinsichtlich der künftigen Ertragskraft. Mittelfristig profitiert der Konzern jedoch von seiner globalen Aufstellung, die ihm erlaubt, Marktentwicklungen regional differenziert zu begegnen, so das Unternehmen auf Anfrage des Börsen-Kurier.
Positive Signale
Der Stahlhersteller Voestalpine wiederum erwirtschaftet laut Konzern-Factsheet rund 30 % seines Umsatzes im Automotive-Bereich. Trotz der unsicheren Lage zeigten sich zwei Großbanken in ihren jüngsten Aktienanalysen optimistisch. Barclays begründete die Anhebung des Kursziels mit sinkenden Rohstoffkosten, einer verbesserten Kostenstruktur und der Erholung wichtiger Absatzmärkte wie unter anderem auch der Automobilindustrie. UBS, das sein Kursziel auf 43 Euro festlegte (Kurs aktuell: rund 38 E), sieht darüber hinaus erhebliches Potenzial durch mögliche EU-Importquoten für Stahl.
Dieser Artikel wurde zur Verfügung gestellt von:
| Jetzt 4 Wochen gratis testen |
Hinweis
Die Wiener Börse AG verweist ausdrücklich darauf, dass die angeführten Informationen, Berechnungen und Charts auf Werten aus der Vergangenheit beruhen, aus denen keine Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung oder Wertbeständigkeit gezogen werden können. Im Wertpapiergeschäft sind Kursschwankungen und Kapitalverluste möglich. Der Beitrag gibt die persönliche Meinung des Autors wieder und stellt keine Finanzanalyse oder Anlageempfehlung der Wiener Börse AG dar.

