Wiener Börse News

Börsen-Kurier: „ATX nach wie vor attraktiv und günstig“

Autor: Tibor Pásztory | Börsen-Kurier

Schoellerbank setzt auf taktische Sektorallokation – Finanz und Industrie dominieren.

Anlässlich der Präsentation des neuen „Schoellerbank Aktien Österreich Fonds“ lud die Schoellerbank Journalisten zum Gespräch mit Stefan Bruckbauer, UniCredit Bank Austria Chefvolkswirt, und Jörg Moshuber, Investmentvorstand der Schoellerbank Invest AG. Dabei begann Bruckbauer mit einem globalen Überblick, und dies mit einem weinenden und einem lachenden Auge: „Infolge des Iran-Krieges ist erneut ein Ansteigen des Ölpreises zu verspüren. Die Gaspreise bleiben aber bislang immer noch unter dem Niveau von 2022, dem Beginn des Krieges.“

Globales Umfeld: KI tonangebend

Dies sei unangenehm, aber nicht tonangebend. Das sei weiterhin der Technologiesektor, und hier wiederum die Konjunktur der Künstlichen Intelligenz. Dabei erinnert Bruckbauer an die Tatsache, dass die 25 größten KI-Unternehmen bereits ein rundes Drittel der globalen Börsenkapitalisierung ausmachten. Auch bezöge sich zeitweise bis zur Hälfte aller Börsenbewegungen auf den KI-Sektor.

Da auch das KI-Business untrennbar mit der traditionellen Wirtschaft verbunden ist – „nicht nur bei Software und Halbleitern“, wie Bruckbauer immer wieder betont – sei nur ein Blick aus ganzheitlicher Perspektive sinnvoll, um die Entwicklung der Börsenkurse nachvollziehen zu können: „Es gibt keine Abkoppelung der Börse von der realen Wirtschaft“, stellt er trocken fest. Die Künstliche Intelligenz habe sich dabei aber im vergangenen halben Jahr durchaus verändert, ergänzt Moshuber: „Die KI-Unternehmen hatten enorme Kredite aufgenommen und müssen diese nun zurückzahlen. Dies nimmt ihnen finanzielle Ressourcen, die dann dem Cashflow fehlen.“ Dies werde in der KI-Branche die Spreu vom Weizen trennen.

„Börsen leben von Hoffnung“

Trotzdem gehen die Börsenkurse der KI-Unternehmen nach oben. „Es geht hier nicht um die Vergangenheit, sondern um eine Hoffnung auf die Zukunft“, erinnert Bruckbauer an eine oft verdrängte Börsenweisheit. Dies hängt natürlich auch mit der offensichtlichen vorsichtigen Erholung der Weltwirtschaft zusammen, die sich nach einem globalen Rückgang seit März (also nach Beginn des Iran-Krieges; Anm.) nun zu erholen scheint, allen voran in China.

Dies gilt auch für den Euroraum, wo der Einkaufsmanagerindex für die Industrieproduktion im August auf 53,4 angestiegen ist, den höchsten Wert seit 2022, als sich die Weltwirtschaft von der Covid-Pandemie erholte. Auch in Deutschland, wo die BIP-Prognose für 2026 und 2027 im Vergleich zur Prognose vom Frühjahr angehoben worden ist, zeigt sich erwähnte Hoffnung nach einem langen stimmungsmäßigen Wellental. In puncto Industrieproduktion und Einzelhandel zeigt sich Österreichs Wachstum allerdings stärker als das deutsche, und das liegt wohl an der tiefen Verflechtung Österreichs mit den CEE-Märkten, die selbst wiederum dynamischer performen als der österreichische Markt.

Österreichs Aktien performen

Nicht nur 2025 hat der ATX eine weltweit beachtete Performance hingelegt. Ein Vergleich mit anderen Indices über die letzten fünf Jahre – inklusive dem MSCI China – ist mehr als herzeigbar. Trotzdem seien die Preise der Aktien noch als relativ günstig zu bewerten, meint Moshuber. Gleichzeitig soll in Österreich das reale BIP-Wachstum heuer nur von 0,6 auf 0,8 % steigen, während die Inflationsprognose für 2026 nur von 3,6 (2025) auf 3,2 % zurückgeht. Dieser Wert liegt im internationalen Durchschnitt, könnte aber nächstes Jahr bei einem Ölpreis von mehr als 100 USD pro Barrel und einem TTF-Gaspreis von mehr als 70 E auf bis zu 4 % steigen.

Plädoyer für den ATX

Moshuber zieht folgende Argumente heran, die für ein Investment in ATX-Werte sprechen. Die Preise seien, wie schon erwähnt, eher günstig, es gebe eine ausgeprägte Dividendenstärke, der ATX enthalte echte Qualitätsunternehmen, der ATX profitiere von der Performance der CEE-Wirtschaft, und nicht zuletzt gebe es eine gewaltige Perspektive auf ein Engagement beim Wiederaufbau der Ukraine nach einem Ende des Krieges.

Summa summarum: Auch der heimische Leitindex bewegt sich nicht unbeeinflusst von externen Faktoren, hat aber einige gute Karten im Ärmel. Die Asset Allocation des „Schoellerbank Aktien Österreich Fonds“ (ISIN: AT0000A3V2G9) setzt jedenfalls auf eine taktische Sektorallokation – in erster Linie Finanzsektor und Industrie - und eine flexible Gewichtung mit Fokus auf den ATX Prime. „Auslandsösterreicher“, also an ausländischen Börsen notierte österreichische Unternehmen, stehen jedoch auch in der Auswahl. Als Musterportfolio werden (mit Anteilen zwischen 7,5 und 4,5 %) OMV, RBI, Bawag, Erste Group, Andritz, Voestalpine, Verbund, AT&S, Strabag und VIG genannt.



Dieser Artikel wurde zur Verfügung gestellt von:

Börsen-Kurier     Jetzt 4 Wochen gratis testen

Hinweis

Die Wiener Börse AG verweist ausdrücklich darauf, dass die angeführten Informationen, Berechnungen und Charts auf Werten aus der Vergangenheit beruhen, aus denen keine Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung oder Wertbeständigkeit gezogen werden können. Im Wertpapiergeschäft sind Kursschwankungen und Kapitalverluste möglich. Der Beitrag gibt die persönliche Meinung des Autors wieder und stellt keine Finanzanalyse oder Anlageempfehlung der Wiener Börse AG dar.