Tibor Pásztory | Börsen-Kurier
In der Wirtschaft kehrt langsam Optimismus zurück, das Risiko liegt in der Politik.
Im Laufe des heurigen Jahres überschritt der ATX die 5.000-Punkte-Schwelle. Er folgte damit dem Aufwärtstrend in vielen anderen Ländern. Mit Steigerungen um (je nach Rechenmethode) bis zu 40 % outperformte er den Dax und sogar den Dow Jones - mit Steigerungen von rund 20 bzw. 14 % - deutlich. Freilich, der heimische Aktienmarkt ist auch enger. Und schließlich kommt es immer darauf an, von welcher Basis aus man startet. Egal! Die Anleger freut es. Die Frage stellt sich nur: Wie geht es weiter? Und vor allem: Wie steht es um weitere Börsengänge?
Anzahl der Börsengänge als Indikator
Laut einer Studie von EY gab es heuer (Stand Anfang Dezember) weltweit 1.259 IPOs, ähnlich wie 2024. Das Volumen eingesammelten Kapitals stieg allerdings deutlich um 32 % auf 163,3 Milliarden US-Dollar. Besonders stark stieg die Anzahl der IPOs in Asien (China, HongKong). Die USA wiederum profitierten von der hohen Anzahl an Cross-Border-IPOs. Selbst das permanent totgesagte Europa konnte mehr große Börsengänge aufweisen, sieben davon in Deutschland. „Insgesamt bleibt die weltweite Pipeline gut gefüllt. Der richtige Zeitpunkt für einen Börsengang hängt weiterhin maßgeblich von der Stimmung an den Kapitalmärkten, vom erwarteten Wertsteigerungspotenzial nach dem IPO und von realistischen Preisvorstellungen der Eigentümer ab - daran wird sich auch 2026 nichts ändern“, meinte dazu Martina Geisler, Partner und Leiterin IPO bei EY Österreich. Der österreichische Kapitalmarkt erlebte dabei einige neue Listings im Direct Market Plus sowie ausländische Zweitlistings. Echte Börsengänge waren leider nicht zu verzeichnen. Als interessanter Börsenkandidat gilt aber weiter etwa die WEB Windenergie.
Dominierende Branche war auch 2025 der Technologiesektor bei Volumen wie Anzahl der IPOs. Manche sehen hier bereits eine Gefahr der Überhitzung. Auf den Plätzen folgte der Mobility-Sektor und der Advanced-Manufacturing-Bereich. Branchenunabhängig zeigt sich der Stimmungsbarometer laut einer weiteren EY-Studie von Erich Lehner sogar beim heimischen Mittelstand mit Tendenz nach oben: „Rund acht von zehn befragten Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage positiv.“
Hinkt Deutschland hinterher?
Pessimistischer sieht das Münchner Ifo Institut die Lage. Sie hat die Wachstumsprognose für Deutschland jüngst auf 0,8 % nach unten korrigiert. „Die deutsche Wirtschaft passt sich dem Strukturwandel durch Innovationen und neue Geschäftsmodelle nur langsam und kostspielig an“, sagt Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Das könnte auch die österreichische Zulieferindustrie treffen. Mitschuld am geringen Wirtschaftswachstum sei die US-Zollpolitik. Diese macht inzwischen aber nicht ganz unerwartet auch der US-Konjunktur Probleme. Laut einem Bericht des US-Kongresses haben die seit 2025 deutlich erhöhten Importzölle die Lebenskosten pro US-Haushalt seit Februar um 1.200 USD erhöht.
Summa summarum: Bei der Konjunktur ist der psychologische Faktor nicht zu unterschätzen. Die vorsichtig optimistische Grundhaltung in den Unternehmen lässt diesbezüglich auf ein gutes Wirtschaftsjahr 2026 und damit auch auf boomende Börsen hoffen - sofern die großen geopolitischen Herausforderungen vom Ukrainekrieg bis zur unglückseligen US-Zollpolitik nicht dazwischenfunken. In Europa kommen als Negativfaktoren noch die interne Uneinigkeit sowie die Abhängigkeit von Lieferketten, insbesondere bei Rohstoffen, dazu - alles schwierige, aber nicht unlösbare Aufgaben.
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