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Währungsrisiken bei Auslandsaktien

Michael Kordovsky|Börsen-Kurier

In Deutschland und auch bei uns gehandelte Auslandswerte haben ihre Eigenheiten.

Der global market an der Wiener Börse ist mit knapp 720 Wertpapieren aus 26 Ländern bereits heute das zweitstärkste Marktsegment in Wien. Aber es wird nach wie vor laufend erweitert. International bedeutende IPOs stehen meist unmittelbar nach Börsengang auch dem Wiener Handelsplatz zur Verfügung. Vor allem die niedrigeren Spesen bei heimischen Brokern und Banken machen Handelsplätze in Europa und somit auch Wien attraktiver.

Währungsrisiken bleiben

Bei Aktien, die an ihrer Heimatbörse in einer anderen Währung notieren, wie z.B. Werte aus der Schweiz, den USA und Großbritannien, bleiben allerdings - entgegen einem häufigen Irrtum von Privatanlegern - die Währungsrisiken.

Dazu Manuel Kurz, Member Sales & Business Development der Wiener Börse: „Ein Wechselkursrisiko besteht trotz des Handelns in Euro weiterhin. Es ist bereits im Kursrisiko enthalten und kann auch nicht weiter abgedämpft werden“, und er ergänzt: „Handelsspannen für Devisen sind auf sehr engem Niveau miteingepreist. Der Anleger bezahlt jedoch keine Spesen für die ‚implizite‘ Berücksichtigung.“ Etwas präziser formuliert es Karl Durstberger, Bereichsdirektor Treasury bei der VKB Bank: „Das Währungsrisiko besteht trotzdem, da die Euro-Kurse an europäischen Börsen den aktuellen Währungskurs, im Regelfall den Devisenmittelkurs, implizieren.“

Kursdifferenzen

Die in Euro notierten Auslandsaktien und jene an der Heimatbörse können durchaus unterschiedliche Lagerstellen haben. Dann ist Arbitrage, sprich Kauf der Aktie am günstigeren Ort und gleichzeitiger Verkauf an jenem Ort, wo sie höher gehandelt wird, nicht möglich. An einem europäischen Handelsplatz (im Euroraum) gekaufte Aktien können dann in der Regel nur in Europa verkauft werden und nicht beispielsweise in den USA. Dies erklärt auch mitunter in Dollar auf Sekunde umgerechnet zeitweise höhere Kurse in Deutschland. Bei illiquideren Aktien können das durchaus schon mal ein oder mehr Prozent sein.

Dazu Kurz gegenüber dem Börsen-Kurier: „Mehrere Prozent Unterschied sind eher ungewöhnlich und mitunter durch alte, nicht aktuelle Preise bedingt. Unterschiedliche Börsenplätze führen immer auch zu unterschiedlichen Preisen und somit der Möglichkeit zu Arbitrage. Davon sind aber auch europäische Aktien, die in Euro notieren, betroffen. Eine Lagerstellen-Umlieferung ist zwar für Privatanleger tendenziell unwirtschaftlich, nicht aber für institutionelle Investoren.“

Einen weiteren Aspekt liefert Durstberger: „Zu den europäischen Handelszeiten sind die US-Börsen oftmals noch nicht geöffnet, und daher ist insgesamt im Markt die Liquidität geringer. Es ist zu beobachten, dass die Market Maker an europäischen Handelsplätzen in diesen Zeiten die Bid/Ask-Spreads weiter stellen, um Risiken abzufedern. Wenn US-amerikanische und europäische Handelsplätze gleichzeitig geöffnet haben, engen sich diese Spreads im Regelfall ein.

Preisunterschiede sind weniger auf Währungsthematiken zurückzuführen, sondern mit geringerer Liquidität zu begründen.“ Die von uns angesprochene Lagerstellenthematik kommentiert Durstberger so: „Die Lagerstellenthematik spielt sicher eine Rolle bei niedrig kapitalisierten Werten, die auch im Repo-Markt schwer handelbar sind. Bei Börsenschwergewichten ist davon auszugehen, dass sich dieser Effekt abschwächt, da zum einen genug Material an den europäischen Märkten vorhanden ist, bzw. auch eine internationale Leihe im Repo-Markt möglich sein sollte.“

 

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Hinweis

Die Wiener Börse AG verweist ausdrücklich darauf, dass die angeführten Informationen, Berechnungen und Charts auf Werten aus der Vergangenheit beruhen, aus denen keine Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung oder Wertbeständigkeit gezogen werden können. Im Wertpapiergeschäft sind Kursschwankungen und Kapitalverluste möglich. Der Beitrag gibt die persönliche Meinung des Autors wieder und stellt keine Finanzanalyse oder Anlageempfehlung der Wiener Börse AG dar.