Weltspartag - Sparer werden zunehmend zu Anlegern
Interesse an Wertpapieren als alternative Sparform steigt - AK-Experte: Zu viel Geld liegt auf Girokonten - Verteilung der Mittel auf mehrere Spar- und Veranlagungsformen sinnvoll
Klassische Sparformen wie das Sparbuch oder der Bausparer bekommen zunehmend Konkurrenz von Wertpapieren. Mehr als ein Drittel (36 Prozent) investiert bereits in Wertpapiere, 43 Prozent interessieren sich für das Thema, geht aus einer Umfrage der Bank Austria hervor. Auch die Erste Bank kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, dass mittlerweile mehr Menschen über Wertpapiere (40 Prozent) ansparen als über einen Bausparvertrag (34 Prozent). Auch Gold (30 Prozent) und Kryptowährungen (15 Prozent) gewinnen laut der Umfrage als langfristige Anlage an Bedeutung.
Die meistgenutzte Sparform ist aber immer noch das Sparbuch bzw. das Sparkonto. Bei Sparprodukten mit täglich fälligen Zinsen bleibt die Rendite für Sparer allerdings minimal, sagte AK-Konsumentenschützer Christian Prantner im Gespräch mit der APA. Viele Banken hätten zwar Aktions-Zinssätze für täglich fällige Sparkonten für Neukunden von bis zu rund 2 Prozent. Nach wenigen Monaten würden die Zinsen aber auf einen deutlich niedrigeren Basiszinssatz sinken, der oft nur knapp über null Prozent liege. "Das ist schon ein wenig fauler Zinszauber", so Prantner.
AK-Experte: Zu viel Geld liegt auf Girokonten
"Ich glaube, dass Viele zu viel Geld auf ihrem Girokonto und auf niedrig verzinsten Sparbüchern haben", sagte der AK-Experte. Das Umschichten von Kapital sei eine "Möglichkeit, die man nicht vergessen sollte". Bankkunden sollten daher laufend auf ihre Zinskonditionen achten und überlegen, ob Geld nicht umgeschichtet werden könnte. Wichtig sei aber dabei, sein Geld auf mehrere Spar- und Veranlagungsformen zu verteilen und nicht alles auf eine Karte zu setzen. In der Vergangenheit hätten diverse Anlegerskandale immer wieder gezeigt, dass die Leute zu viel Geld in eine Kategorie stecken, sagte Prantner.
Alternativen zum Geld auf dem Girokonto oder dem täglich fälligen Sparkonto bei der Hausbank gibt es zahlreiche. Neobroker wie Trade Republic, Flatex oder Scaleable bieten häufig bessere Konditionen für Tagesgeldkonten an als größere Universalbanken - allerdings haben diese das primäre Ziel, Menschen Wertpapierprodukte zu verkaufen. Das Tagesgeldkonto sei dabei vor allem ein Cross-Selling-Produkt, so Prantner. Aber auch die Veranlagung in gebundene Sparprodukte, einen Bausparer, den Bundesschatz oder Wertpapiere seien mögliche Optionen um mehr Rendite für sein Erspartes zu bekommen.
Zu beachten sei aber immer, dass abseits der klassischen Sparprodukte das Risiko für Verluste höher ist. Außerdem sei Sparen nach wie vor "unkompliziert und spesenarm". Dagegen sei die richtige Auswahl einer Aktie, eines Fonds oder eines ETFs nicht einfach, oft gebe es eine Vielzahl an Angeboten mit unterschiedlichen Parametern und unterschiedlicher Qualität. Die Veranlagung in Wertpapiere erfordere, dass man sich mit dem jeweiligen Anlageprodukt auch beschäftige.
Mangelndes Wissen oder Geld als Hemmschwellen für Wertpapierkauf
Über diese Schwelle trauen sich aber Viele nicht drüber. Mangelndes Finanzwissen werde in Umfragen immer noch häufig als Hemmnis angeführt, warum man nicht am Kapitalmarkt veranlage, so Prantner. Als zweiter Faktor werde zudem oft angegeben, dass das nötige Geld fehle, um am Markt zu investieren. Auch aus den heurigen Sparstudien der Bank Austria und der Erste Group geht hervor, dass die Menschen insgesamt weniger ansparen können als früher. Laut Erste-Bank-Umfrage legen Sparerinnen und Sparer im Schnitt monatlich 306 Euro und damit 14 Prozent weniger weg als im Vorjahr. Rechnet man auch noch die Inflation heraus, liege der Sparbetrag lediglich auf dem Niveau von 2016.
bel/stf
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WEB http://www.arbeiterkammer.at
https://www.sparkasse.at/
http://www.bankaustria.at
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Quelle: APA
