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Logistikriese DHL sieht mehr Globalisierung - trotz US-Zöllen

09.10.2026, 11:40:00

Laut Studie gleichen Wachstumseffekte durch KI die Nachteile durch restriktivere Handelspolitik aus - Neue Investitionen stärken Polens Stellung als Logistik-Drehkreuz

Die weltweit tätige deutsche Logistikgruppe DHL sieht keinen Rückgang der Globalisierung. Im Gegenteil, die internationalen Handelsströme hätten im ersten Halbjahr 2026 trotz neuer Zölle zugenommen, zeigt eine Studie der Stern School of Business der New York University. Dieser Trend dürfte sich weiter fortsetzen, geht aus dem soeben veröffentlichten Report "DHL Globalization Tracker" im Auftrag von DHL hervor.

Demnach verzeichnete der weltweite Warenaustausch im ersten Halbjahr 2026 das stärkste Wachstum seit 15 Jahren - abgesehen von der raschen Erholung nach dem Covid-Einbruch. Am höchsten fielen die Handelszuwächse in der Region Ostasien/Pazifik mit plus 24 Prozent aus. Halb so groß war die Handelsdynamik in Europa (12 Prozent) und in Subsahara-Afrika (11 Prozent).

Künstliche Intelligenz als Treiber des Handelswachstums

Der entscheidende Treiber für das Wachstum war der Handel mit Produkten zur Herstellung von Künstlicher Intelligenz (KI), sagt Studienautor Professor Steven A. Altman vom Stern's Center der New York University. Der Handel mit Gütern zur Herstellung von KI - wie Halbleiter oder Geräten zur Datenübertragung - machte 42 Prozent des Handelszuwachses im Jahr 2025 aus. Dieser Anteil stieg in den ersten drei Monaten 2026 auf 76 Prozent, geht aus Zahlen der Welthandelsorganisation WTO und der OECD hervor. "Das größte Thema im aktuellen Welthandel ist KI, nicht die Zölle", sagt John Pearson, der Chef von DHL Express.

Laut den Prognosen soll der globale Warenverkehr bis 2029 jährlich um durchschnittlich 3,4 Prozent zulegen - deutlich stärker als die 2,7 Prozent der vergangenen zehn Jahre.

Ein "Globalisierungs-Index" erreicht einen historischen Höchstwert von 25,8 Prozent. Der Index berechnet das Ausmaß der internationalen Verflechtungen von Handel, Kapital, Information und Menschen anhand von gut 30 Millionen Einzeldaten. Dazu hätten deutlich höhere Handelsaktivitäten im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) beigetragen, sagt Studienautor Altman.

US-Zölle führten nicht zu Handelskrieg

Warum die Zölle nicht negativ durchschlagen, erklärt Altman auch mit der Tatsache, dass zuletzt nicht mehr als 13 Prozent der weltweiten Importe aus den USA stammten und im August die Hälfte der Zölle wieder zurückgenommen wurden. Zudem hätten viele Länder neue Märkte erschlossen, anstatt aus Vergeltung ebenfalls ihre Zölle anzuheben.

Logistik-Unternehmen wie DHL profitieren von der Globalisierung. "Wir sind das globalste Unternehmen der Welt", sagt DHL-Express-Chef John Pearson. Die frühere Deutsche Post AG mit Sitz in Bonn notiert seit 2000 an der Frankfurter Börse und ist in 219 Ländern aktiv.

Ein Schwerpunktland von DHL ist Polen. Das Land weist seit Jahren deutlich überdurchschnittliche Wachstumsraten auf. Zwischen 2016 und 2025 wuchs Polens Handel doppelt so stark wie weltweit und fast drei Mal so stark wie in der EU. Bis 2029 soll der Handel um 28 Prozent stärker wachsen als der Welthandel und fast doppelt so stark wie der EU-Handel.

Polen Säule des internationalen Warenhandels

DHL ist in Polen seit 35 Jahren in den unterschiedlichen Sparten aktiv, etwa im Expressversand DHL Express, der internationalen Luft- und Seefracht, globalen Lieferketten oder eCommerce. Allein DHL Express etwa betreibt Service Center mit insgesamt 2,2 Millionen Quadratmeter Fläche. Mehr als 10.000 Personen werden in dem Bereich beschäftigt, 5.200 Fahrzeuge sind laufend im Einsatz.

Um das erwartete Wachstum in Zentral- und Osteuropa sicherzustellen, plant DHL bis 2030 Investitionen von 400 Millionen Euro. Damit will man logistische Infrastruktur und technisch basierte Lieferkettenlösungen für die Kunden verstärken. Investiert werden soll außer in Polen auch in Tschechien, Ungarn und Rumänien. Diese Länder zeichneten sich durch einen kräftigen "geografischen Rückenwind" aus, sagt DHL-Express-Chef John Pearson. Starkes Wachstum, gut ausgebildete Mitarbeiter und die geografische Lage machten das Land zu einer idealen Logistik-Drehscheibe.

Sortieranlage verarbeitet 45.000 Pakete pro Stunde

Die Region wird immer wichtiger für globale Handelsströme und Lieferketten-Netzwerke. Im Jahr 2024 nahm DHL bei Posen (Poznan) nach einer Investition über 180 Millionen Euro das Logistik-Center ICL in Betrieb. Auf 32.000 Quadratmetern Fläche können hier bis zu einer Million Pakete täglich - oder 45.000 pro Stunde - sortiert und zugeordnet werden. Die Identifizierung der Pakete erfolgt in 22 Millisekunden, sie werden automatisch abgewogen und millimetergenau vermessen. Die Anlage ist ein wichtiges Logistik-Drehkreuz vor allem für den eCommerce. Mit 15 Ländern bestehen Direktverbindungen. Sendungen nach Österreich laufen nicht über Posen, sondern über Kattowitz (Katowice).

Die DHL Gruppe beschäftigt knapp 584.000 Menschen in rund 220 Ländern. Im Jahr 2025 lag der Umsatz bei 72,9 Mrd. Euro. Bis 2050 will DHL die Klimaneutralität erreichen, unter anderem durch den verstärkten Einsatz von Elektro-Lkw.

fhwk/stf

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