ÖBB-Güterverkehr zum Hafen Koper mit großen Baustellen-Hürden
Derzeit auf den europäischen Logistik-Korridoren 37 massive Bauarbeiten - ÖBB-Grasl: "Deutschland macht eine Baustelle, und wir haben das Problem"
"Allein die Versorgung unserer Standorte in Linz und Donawitz mit mehr als 15 Millionen Tonnen Rohstoffen pro Jahr zeigt, welche zentrale Rolle eine leistungsfähige Logistik für die voestalpine spielt", gibt Hubert Zajicek, Leiter der Steel Division der voestalpine, zu bedenken.
Modernisierung von Grenzbahnhof Jesenice
Entlang der Bahnstrecken von Koper nach Österreich gibt es derzeit mehrere Bauarbeiten. Einschränkungen gibt es unter anderem auf den Strecken Koper-Divača, Brezovica-Preseje, Borovnica-Verd sowie zwischen Ljubljana und Jesenice. Auch der Grenzbahnhof Jesenice wird umfassend modernisiert.
Und Richtung Norden sei die Baustellen-Situation ebenfalls fordernd. Insgesamt gebe es auf den europäischen Logistik-Korridoren 37 massive Baustellen, davon sieben in Deutschland, so Christoph Grasl, Vorstand der ÖBB Rail Cargo. "Man kann fast nicht mehr normal fahren, man muss fast zick zack durch Europa fahren", meinte er vor Journalisten.
Staatsgeld für Umweg-Kosten
Als Beispiel nannte er die Sperre bei der bayrischen Grenzstadt Passau. "Deutschland macht eine Baustelle, und wir haben das Problem", so Grasl. Die ÖBB Cargo müsse nun Umwege fahren, und für diese auch noch Benützungsentgelt bezahlen. Nachdem der Markt nicht bereit sei, diese Mehrkosten abzudecken, sei hier der Staat gefragt.
Noch mehr als nationalstaatliche Maßnahmen brauche es aber eine bessere Koordination des Bahn-Güterverkehrs in Europa. Voestalpine-Manager Zajicek fallen da gleich fünf Punkte ein. Der Ausbau der Infrastruktur ("und da gehört auch Strom und Gas dazu"), Verbesserungen bei der Interoperabilität der Verkehrsträger inklusive Fläche und Ressourcen dafür, ein modernisiertes Eisenbahnrecht europaweit, eine Abstimmung der geplanten Baustellen in Europa und viel mehr Digitalisierung.
"Europäische Lieferketten brauchen europäische Lösungen", meinte dazu Ernest Gortan, Vorstandsvorsitzender von SŽ-Tovorni promet. Lob gab es wiederum von den staatlichen ÖBB für den Infrastruktur-Rahmenplan in Österreich, dieser sei ein "extremes Beispiel für Planungssicherheit", so Grasl bei einem Mediengespräch.
Einfacher mit dem Lkw
"Einen Zug durch Europa zu fahren, muss so einfach sein wie einen Lkw - mit harmonisierten Prozessen, interoperabler Infrastruktur, digitalen Standards, weniger administrativen Hürden und fairen Rahmenbedingungen für die Schiene. Dafür setzen wir uns als nachhaltiges logistisches Rückgrat der Wirtschaft auch weiterhin intensiv ein", betonte Grasl.
Die voestalpine ist der wichtigste Kunde der ÖBB Rail Cargo, die slowenische Bahn Slovenske železnice wiederum der zweitwichtige Partner der Rail Cargo auf europäischer Ebene hinter der Deutschen Bahn. Wichtige Zielmärkte in Südosteuropa würden 2027 vor großen Herausforderungen bei den Lieferketten stehen. Im kommenden Jahr werde es im Korridor Türkei-Mitteleuropa in Serbien und Rumänien gleich zwei sehr große Baustellen geben. Die Umleitungsstrecken könnten zum Teil nur mit Dieselloks betrieben werden, warnten die Logistiker am Mittwoch in Wien.
stf/ivn
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Quelle: APA
