APA News

Wienerberger zum Halbjahr ohne Gewinn

12.08.2026, 15:31:00

Ergebnis nach Steuern brach gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 106 Mio. auf 0 Euro ein - Umsatz stieg um 4 Prozent auf 2,4 Mrd. Euro - Nettoverschuldung legte um 47 Prozent zu

---------------------------------------------------------------------
AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Neu: Weitere Zitate und Details nach dem Conference Call für Analysten (3. und 4. sowie 6. und 7. sowie 11. Absatz)
---------------------------------------------------------------------

Der börsennotierte Baustoffkonzern Wienerberger hat heuer im ersten Halbjahr in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld keinen Gewinn mehr geschrieben. Unter dem Strich blieben 0 Euro, wie aus dem aktuellen Halbjahresbericht des Unternehmens vom Mittwoch hervorgeht. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren noch 106 Mio. Euro erzielt worden. Der CEO des Unternehmens zog sich am Montag aus gesundheitlichen Gründen von der Konzernspitze zurück.

Der Gewinnausblick für das Gesamtjahr wurde im Juli gesenkt und am Mittwoch auf dem niedrigeren Niveau bestätigt. Für 2026 erwartete das Management ein operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 700 Mio. Euro - bis Juli war mit rund 100 Mio. Euro mehr gerechnet worden. Der Wert ist bereinigt um den Verkauf von nicht betriebsnotwendigem Vermögen und Strukturanpassungen.

"Herausfordernder als erwartet"

"Das erste Halbjahr war herausfordernder als wir erwartet hatten", räumte der interimistische Konzernchef Gerhard Hanke am Mittwoch in einem Conference Call für Analysten ein. Infolge der schlechten Witterungsbedingungen in den ersten beiden Monaten, dem aufgeflammten Nahost-Konflikt und der daraus resultierenden Kosteninflation - etwa bei Kunststoffen, Energiepreisen und Logistik - sowie weiter rückläufiger Märkte sei die Performance der Wienerberger-Gruppe hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Als resilient erwiesen hätten sich - "erwartungsgemäß" - die Bereiche Infrastruktur und Sanierung, nicht zuletzt dank der Wasserresilienzstrategie der EU, die für eine größere Wasserversorgungssicherheit sorgen soll und vor etwas über einem Jahr festgezurrt wurde.

Operativ deutlich schlechter

Im ersten Halbjahr verringerte sich das operative EBITDA um 15 Prozent von 383 Mio. auf 326 Mio. Euro. Die dazugehörige Marge sank von 16,3 auf 13,4 Prozent. Das EBITDA sank von 379 Mio. auf 256 Mio. Euro.

Finanzchefin Dagmar Steinert berichtete am Mittwoch von einmaligen Abschreibungen in Höhe von rund 70 Mio. Euro - davon standen ihren Angaben zufolge 7 Mio. Euro im Zusammenhang mit der per Ende April abgeschlossenen Mehrheitsbeteiligung (50 Prozent plus 1 Aktie) am italienischen Keramikprodukte-Hersteller Italcer und 17 Mio. Euro mit Restrukturierungsmaßnahmen.

Über 50 Mio. Dollar US-Kartellstrafe

Der gröbste Posten entfiel aber auf eine Settlementzahlung von 47 Mio. Euro in einem US-Kartellverfahren. "Wir müssen 52,4 Mio. Dollar - 47 Mio. Euro - zahlen, wir haben uns nichts zu Schulden kommen lassen", betonte die Finanzvorständin. Weitere mit Kartellvergehen konfrontierte Firmen aus dem Kunstharz- und Rohrbereich hätten in dem Verfahren begonnen, Settlementzahlungen zu tätigen und Wienerberger hatte den Angaben zufolge Sorge, noch mehr Geld als besagte Millionen zu verlieren.

Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) brach in den ersten sechs Monaten 2026 von 198 Mio. auf 60 Mio. Euro ein. Der Gewinn je Aktie (EPS) pulverisierte sich von 0,97 auf 0,01 Euro. Die Kosten werden nun möglichst nach unten gefahren. Die Werke sind nur zu 60 bis 70 Prozent ausgelastet.

Wienerberger beschäftigte im ersten Halbjahr im Schnitt weltweit 20.941 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Vollzeitäquivalente), im Vorjahreszeitraum waren es 20.378. Nach oben ging es auch mit dem Halbjahresumsatz und mit den Schulden. Die Verkaufserlöse stiegen um 4 Prozent auf 2,4 Mrd. Euro, die Nettoverschuldung legte um 47 Prozent auf ebenfalls 2,4 Mrd. Euro zu.

Wohnungsneubau schwächer als erwartet

Im zweiten Quartal 2026 legten die Verkaufserlöse gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres um 13 Prozent auf 1,4 Mrd. Euro zu. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verringerte sich von 253 auf 230 Mio. Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch bekanntgab und damit die vorläufigen Zahlen vom Juli bestätigte.

Als Hauptgründe für den rückläufigen operativen Gewinn führte Wienerberger die schwächer als erwartete Wohnungsneubautätigkeit, insbesondere in den USA, Kanada und Großbritannien, sowie die erhöhte Kosteninflation infolge geopolitischer Konflikte an. "Nordamerika ist heuer unser schwierigstes Segment", sagte Steinert mit Blick auf den dortigen Wohnungsneubaumarkt. Kanada sei noch schwächer als die USA.

Der Umsatzanstieg wiederum sei von der weiterhin robusten Entwicklung in den Bereichen Infrastruktur und Renovierung getragen, die den Angaben zufolge inzwischen mehr als 60 Prozent des Konzernumsatzes ausmachen, sowie von Akquisitionen. Das organische Wachstum belief sich den Angaben zufolge auf 7 Prozent, der Beitrag aus Mergers und Acquisitions (M&A) auf 6 Prozent.

Neuer CEO

"Mit der größten Portfoliotransformation in der Geschichte von Wienerberger haben wir den Schwerpunkt unseres Geschäfts auf die strukturell widerstandsfähigen Märkte Renovierung und Infrastruktur verlagert", teilte Hanke mit. Die erwartete Erholung im Wohnungsneubau sei "bislang ausgeblieben". Dank der Akquisition von Italcer und gezielter Investitionen in die Bereiche Dach und Infrastruktur würden bereits mehr als 60 Prozent des Umsatzes in diesen zukunftsstarken Segmenten erzielt.

Der bisherige CEO Heimo Scheuch hatte zu Beginn der Woche seinen vorzeitigen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen bekanntgegeben. Sein Vize Hanke rückte interimistisch nach. Die Suche nach einem neuen Konzernchef läuft.

(Redaktionelle Hinweise: GRAFIK 1001-26) kre/ivn/sag

 ISIN  AT0000831706
 WEB   http://www.wienerberger.com


Preisinformation

Wienerberger AG

Weitere News

Zur News-Übersicht


Disclaimer

Die Wiener Börse übernimmt keine Garantie für die Richtigkeit der Daten.
© 2026 Wiener Börse AG
Quelle: APA