100-Jahre-Dürre: Österreichs Geografie rettet Stromerzeugung
Wasserführung an der Donau auf ein Drittel eingebrochen - Verbund-Erzeugung bei zwei Drittel der sonst üblichen Menge - Gravierendste Trockenheit seit Beginn der Wasserkraft-Aufzeichnung
Die Wasserführung am Donau-Kraftwerk Greifenstein nordwestlich von Wien liegt im August demnach üblicherweise bei etwa 2.100 Kubikmeter pro Sekunde. Aktuell fließen pro Sekunde lediglich 700 Kubikmeter Wasser durch die Schleusen. Vor Ort stabilisiert der Stauraum der Kraftwerke einen behördlich festgelegten Wasserpegel, weshalb die niedrige Wasserführung nicht unmittelbar sichtbar ist.
Weniger Turbinen in Betrieb
Erkennbar ist die Trockenheit dennoch daran, dass am Kraftwerk Greifenstein derzeit weniger Turbinen laufen. Das liegt daran, dass die vorhandene Wassermenge auf wenige oder einzelne Turbinen zusammengeleitet wird, während die übrigen Maschinen abgeschaltet werden.
Dennoch liegt die Stromerzeugung des Kraftwerks bei rund 66 Prozent des sonst für die Jahreszeit üblichen Wertes. Bestimmend für die Erzeugung ist nämlich vor allem die Fallhöhe des Wassers, nicht so sehr die Wassermenge, so ein Sprecher des Verbunds. Hier sei die österreichische Geografie von Vorteil: Die Höhendifferenz zwischen Passau in Deutschland und Wien liegt bei 170 Metern, auf 290 Kilometer Strecke. Zwischen Wien und der Donau-Mündung ins Schwarze Meer liegen ebenfalls 170 Meter Höhendifferenz, allerdings auf fast 2.000 Stromkilometern. Östlich von Bratislava sei die Donau so flach, dass eine Kraftwerksnutzung praktisch nicht möglich sei, eine Ausnahme sei das Schluchtenkraftwerk "Eisernes Tor" zwischen Serbien und Rumänien. "Die Donau ist in Österreich praktisch ein Gebirgsfluss", so der Verbund.
Auch die geringe Wassermenge hat mehr Fallhöhe zur Folge: Der Wasserstand unterhalb des Kraftwerks sinkt unter das normale Niveau, wodurch der Höhenunterschied bei der Kraftwerkskante steigt und die Energieausbeute relativ größer wird. Die Fischwanderhilfen an Wasserkraftwerken müssen natürlich auch bei Trockenheit weiterhin mit Wasser versorgt werden. Hier gelten strenge Regeln, etwa im Bezug auf die notwendige Wassertiefe.
Pumpspeicher mit normalen Schwankungen
Bei seinen Pumpspeichern verzeichnet der Verbund derzeit die jahreszeitüblichen Schwankungen. Die Speicher werden aktuell langsam gefüllt, unter anderem mit Hilfe von überschüssigem Strom aus Photovoltaik und Wind.
Seit Jahren sei der Trend zu beobachten, dass mit der Klimakrise immer weniger Schnee und mehr Regen fällt. Der Schwerpunkt der Wasserkraft-Erzeugung verlagere sich daher vom Sommer in den Winter. Das sei zumindest für die Stromerzeugung grundsätzlich aber nicht schlecht, weil im Sommer zunehmend mehr Strom aus Photovoltaik und Windkraft zur Verfügung stehe, so der Verbund.
(Redaktionelle Hinweise: GRAFIK 0998-26) cgh/ivn
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Quelle: APA
