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Geothermieprojekt für Graz geht in Phase der Probebohrungen

01.07.2026, 16:28:00

"Tiefenkraft" von OMV und Energie Steiermark nimmt nach seismischen Messungen weiter Formen an - Potenzial von 50 Prozent des Grazer Fernwärmebedarfs

Das Geothermieprojekt "Tiefenkraft" von OMV und Energie Steiermark geht in die nächste Phase. Nach den seismischen Messungen im Frühjahr haben am Mittwoch beide Projektpartner die kommenden Schritte skizziert: Erkundungsbohrungen in St. Marein bei Graz sollen im vierten Quartal 2026 beginnen. Die Vorbereitungsarbeiten werden im September 2026 starten, der Bohrbeginn selbst sei derzeit für Ende dieses Jahres angesetzt.

Beim Projekt "Tiefenkraft" wollen die beiden österreichischen Energieunternehmen zusammen in einem Joint Venture rund 500 Mio. Euro in die Hand nehmen. Die Vision ist eine klimaneutrale Technologie, "sauber, verlässlich und regional verfügbar", sagte Berislav Gašo, OMV Executive Vice President Energy, bei der Pressekonferenz in Graz. "Wir sitzen auf einem Wärmeschatz und wir überlegen, wie wir diesen gemeinsam heben."

Geplant ist die Gewinnung von heißem Wasser aus einer Tiefe von fast 4,5 Kilometern, das an der Oberfläche seine Wärme dann an Wasser abgibt, das in vergrabenen Rohren mit etwa 90 Zentimetern Durchmesser rund 25 Kilometern nach Graz gepumpt wird - etwa zwei Stunden dauert der Transport. Anschließend sorgt das warme Wasser für Fernwärme in Grazer Haushalten. Das aus dem Boden gewonnene heiße Wasser dagegen wird wieder in die Lagerstätte in den Boden zurückinjiziert, schilderte Gašo. Ein ähnliches Projekt in Wien - Seestadt Aspern - liefere bereits Erfahrungen, die auch in Graz einfließen sollen.

Prüfung von Temperatur und Schüttung

Der genaue Start für die Probebohrungen in St. Marein hängt von der Erteilung der notwendigen Genehmigungen und dem Abschluss der Errichtung des Bohrplatzes ab, sagte Florian Sieber von der OMV. Bohrung und anschließende Testphase werden rund drei bis vier Monate in Anspruch nehmen und Erkenntnisse über das geothermische Potenzial sowie die geologischen Rahmenbedingungen liefern. Entscheidend sei, ob tatsächlich die bei den seismischen Messungen vermuteten heißen Wasserlagerstätten gefunden werden. Dann müsse auch die Schüttung geprüft werden, sprich, wie viel Wasser aus dem Boden gewonnen werden kann und fließt, und drittens geht es auch um die Temperatur, die das Wasser hat. Gut wären 120 bis 130 Grad Celsius, sagte Werner Ressi von der Energie Steiermark auf APA-Nachfrage.

Bei positiven Ergebnissen gehe es in die Errichtung einer ersten Geothermiedublette - bestehend aus einer sogenannten Produktions- und einer Injektionsbohrung - inklusive umfassender Tests. Parallel dazu sind zwei weitere Bohrungen geplant, um die Errichtung eines sogenannten Aquifer Thermal Energy Storage (ATES) zu prüfen, der überschüssige Wärme im Untergrund speichert und saisonal verfügbar macht. Dieser Speicher soll in etwa 700 bis 800 Metern Tiefe entstehen und im Sommer "befüllt", um in den Spitzen des Wärmebedarfs im Winter genutzt zu werden.

Potenzial von 50 Prozent des Grazer Fernwärmebedarfs

OMV und Energie Steiermark zeigten sich nach der Sichtung der ersten Messergebnisse zuversichtlich, "regionale Energie aus regionalen Ressourcen" fördern zu können, so Gašo. Ihren Berechnungen zufolge, bestehe Potenzial von bis zu 670 Gigawattstunden geothermischer Energie pro Jahr, das ab 2037 gefördert werden könnte. Das wären rund 50 Prozent des Fernwärmebedarfs von Graz.

Im Zeitraum von Februar bis April 2026 waren seismische Messungen entlang von zusammen rund 900 Kilometern Messstrecke durchgeführt worden. Die gewonnenen Daten werden noch ausgewertet und bilden die Grundlage für ein detailliertes Untergrundmodell sowie für die weiteren Projektschritte.

Wärmelieferung frühestens ab 2030

Weitere nächste Schritte sind auch die Planung und Terrassierung der Pipeline nach Graz. Die Energie Steiermark bringe dabei ihre Expertise in Infrastruktur, Systemintegration und Wärmevertrieb in das Projekt ein. Neben der Beteiligung am Joint Venture verantwortet der Landesenergieversorger insbesondere den Bau und Betrieb der rund 20 bis 25 Kilometer langen Fernwärme-Transportleitung. Sie wird komplett unter der Erdoberfläche vergraben. Etwa 50 Prozent der dafür benötigten Grundstücke seien bereits gekauft, sagte Ressi.

"Dieses Projekt steht für das größte Einzelinvestment in der Geschichte der Energie Steiermark und vereint die Kompetenzen zweier starker Partner entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Nutzung von Tiefengeothermie ist ein zentraler Baustein für die Wärmewende und ermöglicht es, einen wesentlichen Teil der Grazer Fernwärme künftig klimafreundlich und regional bereitzustellen", so Vorstand Martin Graf. Er betonte, dass etwa die Hälfte des österreichischen Energieverbrauchs auf Wärmebedarf zurückgeht. Daher sei die Dekarbonisierung in diesem Bereich besonders wichtig. OMV-Chef Alfred Stern betonte am Mittwoch bei einem Medientermin in Wien ebenfalls die Bedeutung der Geothermie-Projekte in Wien und Graz. Den Einsatz von Erdgas zum Heizen von Wohnungen bezeichnete er als "Verschwendung einer Ressource".

Die endgültige Entscheidung zur Umsetzung des Gesamtprojekts - einschließlich aller Produktions- und Injektionsbohrungen, des Baus der Pipeline zur Anbindung an das Fernwärmenetz sowie der Installation der Oberflächenanlagen - wird allerdings erst im Anschluss an die umfassenden Tests getroffen. Fällt die Entscheidung zur Umsetzung, wird es weitere Jahre dauern, bis alles errichtet ist. Eine erste Wärmelieferung könnte daher frühestens im Jahr 2030 erfolgen.

75 Prozent OMV und 25 Prozent Energie Steiermark

"Tiefenkraft" verbinde die Kompetenzen der beiden Unternehmen: OMV verfügt über umfassende Expertise in Geologie, Bohrtechnik sowie in der Entwicklung von Untergrund- und Oberflächenprojekten, während Energie Steiermark ihre Kompetenz in regionaler Energieinfrastruktur und Systemintegration einbringen werde. Gašo sagte: "Die Nutzung von Erdwärme ist ein zentraler Baustein für eine unabhängige und klimaneutrale Wärmeversorgung in Österreich."

Die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen folgt definierten Verantwortlichkeiten: Die Umsetzung erfolgt über das gemeinsame Joint Venture, eine gemeinsame Entwicklungsgesellschaft, an der OMV mit 75 Prozent und Energie Steiermark mit 25 Prozent beteiligt sind. Der Bau der Transportleitung mit einem Investitionsvolumen von rund 150 Mio. Euro liegt dabei zu 100 Prozent im Verantwortungsbereich der Energie Steiermark.

Mit den Gemeinden, allen voran St. Marein bei Graz, sei man in guten Gesprächen und auch die Bevölkerung zeige Interesse und Verständnis. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung ist für das Projekt übrigens nicht nötig. Ähnliche Bohrungen wurden schon vor Jahrzehnten in der Oststeiermark durchgeführt. Damals war man auf der Suche nach Erdöl und fand stattdessen die Heißwasserlagerstätten. Sie werden von Thermenresorts aber auch als Wärmelieferant für riesige Gewächshäuser für Tomaten und Paprika genutzt.

kor/pek/phs

 ISIN  AT0000743059
 WEB   https://www.e-steiermark.com
       http://www.omv.com


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OMV AG

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Quelle: APA