Wienerberger rutschte im ersten Quartal in die Verlustzone
Ergebnis nach Steuern belief sich auf minus 30 Mio. Euro, nach plus 5 Mio. Euro im Vorjahr - Verschärfter Sparkurs und Preiserhöhungen - Jahresziele für 2026 unverändert
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Der börsenotierte Baustoffriese Wienerberger hat heuer im ersten Quartal einen Verlust nach Steuern in Höhe von 30 Mio. Euro eingefahren, wie der weltgrößte Ziegelhersteller am Mittwoch auf seiner Homepage bekanntgab. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres war noch ein Gewinn von 5 Mio. Euro erzielt worden. Der Umsatz sank um 7 Prozent auf rund 1 Mrd. Euro. Der weltweite Personalstand verringerte sich von 20.348 auf 20.220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Der Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) belief sich auf 2 Mio. Euro, nach 40 Mio. Euro Gewinn in der Vorjahresperiode. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verschlechterte sich den Konzernangaben zufolge um 29 Prozent von 129 Mio. Euro auf 92 Mio. Euro.
Das Eigenkapital ging von 2,80 auf 2,79 Mrd. Euro geringfügig zurück, doch die Nettoverschuldung stieg um 20 Prozent von 1,64 auf 1,98 Mrd. Euro. Dadurch verschärfte sich der Verschuldungsgrad (Gearing Ratio) des Unternehmens von 58 auf 70 Prozent.
Nahost-Konflikt hinterlässt Spuren
Der Krieg im Nahen Osten, der Ende Februar mit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran startete, habe noch nicht auf die Zahlen des ersten Quartals durchgeschlagen. "Das wird im zweiten Quartal und im Rest des Jahres spürbar", sagte Finanzvorständin Dagmar Steinert am Mittwoch in einer Analysten-Telefonkonferenz.
Der Nahost-Konflikt berge "ein hohes Risiko für Lieferkettenverwerfungen". Die Visibilität für den weiteren Geschäftsgang heuer sei dadurch eingeschränkt. Die bereits gestiegenen Energiekosten seien bei Wienerberger zu über 80 Prozent "hedged", also abgepuffert. Sehr wohl zu spüren bekommt der Konzern die "stark gestiegenen Kunststoffpreise". Das wirkt sich im Bereich Wasser- und Energiemanagement (Piping Solutions) des Konzerns aus.
Neben den Material- gingen auch die Transport- und Lohnkosten nach oben. "Wir stemmen uns mit Preiserhöhungen dagegen", erklärte Steinert. In Osteuropa könnten diese im weiteren Jahresverlauf bis zu 20 Prozent erreichen.
Ausblick auf Gesamtjahr unverändert
Das Ergebnisziel für 2026 behielt die Konzernführung unter CEO Heimo Scheuch bei. "Wir bekräftigen unseren Ausblick, aber wir müssen abwarten, wie sich die Märkte entwickeln", sagte Finanzvorständin Steinert auch mit Blick in Richtung Nahost.
Trotz stark gesunkener Absatzvolumina und gestiegener Materialkosten im ersten Quartal soll das operative EBITDA im Gesamtjahr auf rund 810 Mio. Euro zulegen - 2025 war es von 760 Mio. auf 754 Mio. Euro gesunken. Heuer im ersten Quartal brach der Wert im Jahresabstand um 26 Prozent auf 97 Mio. Euro ein. "Wir sehen ein deutlich negatives organisches Wachstum", formulierte es die CFO. "Das war alles volumenbedingt. Das wurde erwartet. Das ist überhaupt keine Überraschung."
Gelingen soll die operative EBITDA-Steigerung 2026 mit Preiserhöhungen - "die Konkurrenz macht das auch" -, weiterhin striktem Kostenmanagement beziehungsweise dem hauseigenen Sparprogramm "Fit For Growth". Die Maßnahmen sollen die Profitabilität stärken, den Cashflow erhöhen und die Nettoverschuldung senken. CO2-Zertifikate sollen keine verkauft werden, betonte Steinert.
Akquisitionskurs vorerst zu Ende
Im zweiten Quartal wird ihren Angaben zufolge noch die per Ende April abgeschlossene Mehrheitsbeteiligung (50 Prozent plus 1 Aktie) am italienischen Keramikprodukte-Hersteller Italcer mit Kosten in Höhe von 160 Mio. Euro durchschlagen. Den infolge der Akquisition erwarteten EBITDA-Beitrag bezifferte die Finanzchefin mit 50 Mio. Euro.
"Wir haben natürlich eine Last aus dem ersten Quartal zu tragen, aber das zweite Halbjahr wird stärker als das erste Halbjahr", stellte die Finanzvorständin in Aussicht. Die Absatzvolumina sollen wieder steigen, sodass letztlich das Vorjahresniveau wieder erreicht werden dürfte - vorbehaltlich der noch nicht absehbaren weiteren Auswirkungen des Nahost-Konflikts.
Größere Übernahmen stehen den Angaben zufolge vorerst nicht auf dem Plan. "Mein Appetit ist gesättigt, denn ich schaue auf unsere Bilanz - unsere Fähigkeit, weitere Akquisitionen zu finanzieren ist vorerst nicht gegeben", hielt die Finanzvorständin fest. Der Konzern fühle sich stark seinem Investment-Grade-Rating (Kreditwürdigkeit) verpflichtet. Derzeit würden die Organisation gestrafft, Produktionsstätten zusammengelegt, Kapazitäten zurückgefahren und nicht zum Kerngeschäft gehörende Liegenschaften verkauft. Alleine Letzteres soll 20 bis 30 Mio. Euro einspielen.
Westeuropa relativ stabil, Nordamerika schwach
Die Zuversicht für Steigerungen im Gesamtjahr beruht vor allem auf dem westeuropäischen Markt, der sich im ersten Quartal mit einem Absatzrückgang von 3 Prozent und einer relativ starken Nachfrage in den Bereichen Renovierung und Energieübertragung am stabilsten entwickelt habe. In Österreich und in Ungarn sei die Nachfrage wegen eingeschränkter Leistbarkeit im ersten Quartal verhalten geblieben.
Im Gegensatz zu Westeuropa gab es in den USA und Kanada heuer zum Jahresstart einen scharfen Volumeneinbruch "im zweistelligen Prozentbereich" infolge schwacher Neubauaktivitäten und schlechter Witterungsbedingungen. Nordamerika bleibt schwierig", erwartet Steinert. Starke Preiserhöhungen sind dort nicht drin.
kre/ivn
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Quelle: APA
