Zuckergeschäft belastet Agrana - Jahresverlust von 36 Mio. Euro
Hohe Abschreibungen bei Zuckerfabriken in Ungarn und Rumänien - Zahl der Agrana-Beschäftigten sank konzernweit um 600 - Aktuelle Niederschläge dämpfen Trockenheitseffekt
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Abschreibungen im Zuckergeschäft haben die börsennotierte Agrana im Geschäftsjahr 2025/26 in die Verlustzone gedrückt. Das Konzernergebnis belief sich auf minus 35,6 Mio. Euro nach einer schwarzen Null im Vorjahr. Das gut laufende Geschäft mit Fruchtzubereitungen und Fruchtsaftkonzentraten verhinderte höhere Verluste. Der Umsatz ging um 7,9 Prozent auf 3,2 Mrd. Euro zurück. Das operative Ergebnis stieg um 6,2 Prozent auf 81,2 Mio. Euro. Die Dividende soll halbiert werden.
Aufgrund niedriger Zuckerpreise schloss die Agrana im März 2025 die Zuckerproduktion an den Standorten Leopoldsdorf im Marchfeld und Hrušovany in Tschechien. "Das Zuckergeschäft blieb operativ schwach, zeigte aber dank Restrukturierungsmaßnahmen im Vergleich zum Vorjahr erste Verbesserungen", kommentierte Agrana-Chef Stephan Büttner am Dienstag die Entwicklung. Der Geschäftsbereich Food & Beverage Solutions (FBS) habe sich "sehr gut" entwickelt, die Stärke-Sparte habe "marktbedingt unter rückläufigen Ergebnissen" gelitten. Das Betriebsergebnis (EBIT) im FBS-Bereich betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr 103 Mio. Euro und im Stärke-Segment 23,5 Mio. Euro. Der Zuckerbereich mit minus 106,5 Mio. Euro zehrte das positive Betriebsergebnis der anderen Geschäftsbereiche nahezu auf.
Hohe Abschreibungen bei Zuckerfabriken in Ungarn und Rumänien
Das Ergebnis aus Sondereinflüssen belief sich 2025/26 auf minus 74,1 Mio. Euro, davon entfielen 46 Mio. Euro auf Abschreibungen von Agrana-Zuckerfabriken in Ungarn und Rumänien sowie Aufwendungen in Höhe von 13,7 Mio. Euro für die Schließung der Zucker-Standorte in Leopoldsdorf und Hrušovany. Für eine Angelegenheit im Ausland bildete der Konzern Rückstellungen für Prozessrisiken in Höhe von 10 Mio. Euro. Details zur Causa wollte der Agrana-Chef auf Rückfrage nicht bekannt geben.
Zahl der Agrana-Beschäftigten sank um 600
Die Agrana ist bei Endkunden in Österreich vor allem mit ihrer Marke "Wiener Zucker" bekannt. Der Konzern mit Sitz in Wien ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei Fruchtzubereitungen sowie weltweit führender Hersteller (und Anbieter) von Apfelsaft- und Beerensaftkonzentraten. Das Unternehmen stellt Produkte sowie Rezepturen für Molkereien und die Food Service-, Eiscreme-, Backwaren- sowie Getränkeindustrie her.
Der Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzern beschäftigte per Ende Februar rund 8.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ein Rückgang von rund knapp 600 Mitarbeitern (-6,4 Prozent) zur Vorjahresperiode. Von 2025 bis 2028 hat sich der Konzern das Spar- und Optimierungsprogramm "Next Level" auferlegt. Auf der Personalseite habe man "den Löwenanteil, der notwendig war, umgesetzt", sagte der Agrana-Chef bei der Pressekonferenz auf Journalistennachfrage.
Aktuelle Niederschläge dämpfen Trockenheitseffekt
Aufgrund der Rekordtrockenheit im März und April sowie Rüsselkäfer-Befall mussten 1.500 von 22.800 Hektar Zuckerrübenanbaufläche in Österreich "umgebrochen" werden. Diese Anbauflächen wurden von der Agrana mit den Rübenbauern vertraglich fixiert. 500 Hektar werden heuer noch erneut angebaut. Bei Zuckerrüben, Stärkekartoffeln und Mais ist Agrana-Produktionsvorstand Franz Ennser "nach wie vor optimistisch", dass es durch die Trockenheit in Österreich nicht zu größeren Mengenausfällen kommen wird. Die aktuellen und prognostizierten Niederschläge hätten "einen gewissen mildernden Effekt".
Wie bereits berichtet, wird der Agrana-Vorstand der Hauptversammlung heuer die Ausschüttung einer Dividende von 0,35 Euro je Aktie vorschlagen. Man sei ein "Dividendentitel" und wolle trotz Verlusten den Aktionären auch eine Dividende ausschütten, sagte der Agrana-CEO. Eine Ausschüttung von 21 Mio. Euro bei einer Eigenkapitalquote von 39 Prozent sei "vertretbar". Für das Geschäftsjahr 2024/25 erhielten Agrana-Aktionäre noch eine Dividende von 0,70 Euro je Aktie.
Deutliche Verbesserung beim Betriebsergebnis 2026/27 erwartet
Für das laufende Geschäftsjahr ist der Agrana-Chef zuversichtlich, "ein zumindest stabiles operatives Ergebnis und eine sehr deutliche EBIT-Verbesserung" zu erreichen. Das Betriebsergebnis (EBIT) soll sich auf 70 bis 90 Mio. Euro belaufen. Beim Konzernumsatz geht der Nahrungsmittel- und Industriegüterkonzern von "einem leichten Anstieg" aus. Der Iran-Krieg werde im laufenden Geschäftsjahr steigende Kosten für Energie, Verpackung, Transport und Chemikalien verursachen, so der Agrana-Chef.
cri/ivn/bel
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Quelle: APA
