Neue Verträge für Grazer Geothermieprojekt vor Beschluss
Stadt Graz, OMV und Energie Steiermark verhandelten Risiken und Aufgaben nach - OMV könnte möglicherweise noch 2026 mit Erkundungsbohrung starten
Die Grazer Rathauskoalition aus KPÖ, Grünen und SPÖ ließ am Dienstag in einer Aussendung wissen, dass die ausverhandelten Verträge nun vor der Beschlussfassung stehen würden. Es handle sich um eine "tragfähige, rechtssichere und wirtschaftlich verantwortbare Grundlage". Die ursprünglichen Vereinbarungen seien das nicht gewesen, weil insbesondere Haftungsfragen nicht ausreichend geklärt und unbeschränkte finanzielle Risiken für die Energie Graz bestanden hätten. Sämtliche Punkte seien nun überarbeitet worden. Nun bestünden Planungssicherheit und stabile Liquidität.
Neue Aufgaben- und Risikoverteilung
Beschlossen werden soll daher kommende Woche eine Kooperationsvereinbarung zwischen den beteiligten Unternehmen, eine Vereinbarung zur Aufteilung von Chancen, Risiken, Aufwänden und Erträgen, ein Wärmelieferungsvertrag sowie ein Wärmetransportdienstleistungsvertrag. Das überarbeitete Vertragswerk regle die Aufgaben: Das Joint Venture aus OMV und Energie Steiermark übernimmt Bohrung und Energieaufbringung. Die Energie Steiermark errichtet die Leitungen bis nach Graz und die Energie Graz übernimmt ab Graz (Sternäckerweg) in bereits bestehenden Leitungen und sorgt für die Verteilung an die Haushalte.
Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) dankte allen für die gefundene Lösung: "Sie ist ein weiterer Beitrag für eine umweltfreundliche und unabhängige Wärmeversorgung der Grazerinnen und Grazer." Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne): "Wenn Kriege und internationale Krisen unsere Heizkosten in Graz in die Höhe treiben, zeigt das ganz konkret, wie abhängig wir noch immer von fossilen Energien sind. Mein Ziel ist klar: raus aus Erdgas und hin zu erneuerbarer, verlässlicher Wärme für Graz." Finanz- und Beteiligungsstadtrat Manfred Eber (KPÖ) meinte, dass die Risiken benannt worden seien und entsprechend nachgebessert wurde: "Das Ergebnis ist eine sachlich vertretbare Lösung, auf deren Basis das Projekt weitergeführt werden kann." SPÖ-Vorsitzende Doris Kampus ergänzte: "Gerade in Zeiten explodierender Energiepreise wird uns deutlich vor Augen geführt, dass uns die Abhängigkeit von fossilen Energien teuer zu stehen kommt. Daher ist es nur konsequent, dieses Projekt mit aller Kraft zu unterstützen."
Erkundungsbohrung könnte noch 2026 starten
Die Stadt Graz will den Anteil grüner Wärme bis 2030 auf über 60 Prozent steigern. Ab 2035 sollen dauerhaft die Kriterien qualitätsgesicherter Fernwärme mit einem Anteil von 80 Prozent erneuerbarer Energie erreicht werden. Die OMV hatte im Frühjahr 2026 mehrere Wochen lang seismische Messungen für das beinahe im November zu Grabe getragene Projekt durchgeführt, wobei die Energie Steiermark die Vorfinanzierung dafür übernommen hatte. Die Erhebungen wurden im oststeirischen Becken von Februar bis April durchgeführt.
Seitens der OMV hieß es, dass die gesammelten Daten nun ausgewertet und zu einem zweidimensionalen Abbild des Untergrunds verarbeitet werden. Dieser Datensatz diene dann dazu, potenzielle geothermische Lagerstätten zu identifizieren. "Sollten die Ergebnisse positiv ausfallen und alle notwendigen behördlichen sowie vertraglichen Genehmigungen erteilt werden, planen wir eine Erkundungsbohrung im Gemeindegebiet von St. Marein bei Graz im vierten Quartal 2026. Diese würde bis in den Jänner 2027 dauern." Eine endgültige Entscheidung über die Durchführung der Bohrung sei für Mitte 2026 zu erwarten.
kor/pek/ivn
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Quelle: APA
