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Seele - Regulierung muss in Europa zurückgefahren werden

08.05.2026, 14:16:00

Borouge plant Werk in China - Borouge-Stärke ist Produktion auf Gasbasis - Produktion in VAE vor allem für Asien

Europa muss sich überlegen, wie attraktiv es für künftige Investitionen im Chemiesektor sein will. Derzeit haben weltweit gesehen wichtige Chemiekonzerne Sitz und Produktion in Europa, die Standorte werden auch bestehen bleiben, erwartet XRG-Chemievorstand Rainer Seele. Ob aber künftige Investitionen auf diesem Kontinent getätigt werden, sei nicht so sicher. Das liege einerseits an den viel höheren Energiepreisen, aber auch an der überbordenden Regulierung.

"Wir übertreiben es mit der Regulierung", sagte Seele am Freitag in Abu Dhabi bei einem Pressegespräch mit österreichischen Journalisten. Europa könne und solle nicht ohne Regulierung auskommen, müsse aber die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, spezifisch der chemischen Industrie, im Auge behalten. Auf die Frage, ob er erwarte, dass die Regulierung zurückgefahren wird, meinte Seele: "Anders kann es gar nicht gehen." Es müsse zu wirtschaftsfreundlichen Regelungen kommen, damit die Produktionskosten sinken.

Der frühere OMV-Chef Seele ist jetzt Chemie-Vorstand der XRG, dem Investitionsvehikel des staatlichen Ölkonzerns von Abu Dhabi, ADNOC. ADNOC wiederum ist Kernaktionär der österreichischen OMV und Joint-Venture-Partner der OMV bei dem neu geschaffenen Chemieriesen Borouge mit Sitz in Wien.

Seele sieht beim Umgang mit Risiken eine inkonsistente Politik. So sei Fracking in Europa verpönt bzw. verboten, zugleich werde nun aber großzügig Gas aus Fracking aus den USA importiert. Man müsse auch verstehen, dass bei manchen industriellen Prozessen CO2 entsteht und dieses versorgt werden müsse, etwa durch unterirdische Speicherung - dies zu verbieten sei nicht der richtige Weg, wenn man eine Dekarbonisierung der Industrie anstrebe.

Überzeugt von Standort Europa

Grundsätzlich sei XRG vom Standort Europa überzeugt, vor allem wegen der Innovationskraft, die hier herrsche. Die OMV-Tochter Borealis, die als Anteil der OMV in das Joint Venture eingebracht wurde, entwickle gerade die vierte Generation des Borstar-Verfahrens, das die Basis für Wettbewerbsvorteile des Unternehmens sei. Weitere Generationen würden nötig sein, um den Vorsprung zu behalten.

Seele wies auch im Gespräch mit Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) anlässlich dessen VAE-Reise darauf hin, dass die Borouge International nächstes Jahr an die Börse strebt und für heuer eine sehr gute Eröffnungsbilanz vorlegen müsse, um Investoren zu überzeugen. Borouge International wird auf einen Unternehmenswert von rund 60 Mrd. Dollar (51 Mrd. Euro) geschätzt und soll in Wien und Abu Dhabi an die Börse. In der Hauptstadt von Abu Dhabi sei eine Börsennotierung schon deshalb nötig, weil die von ADNOC eingebrachte Borouge PLC dort börsennotiert sei. In absehbarer Zeit werde auf den Börsengang eine Kapitalerhöhung ohne Beteiligung der Hauptaktionäre erfolgen, um den Streubesitz zu erhöhen, erinnerte Seele.

Jetzt in der Krise mit der Sperre der Straße von Hormuz und Einschränkungen bei der Produktion in den VAE bewähre sich die Internationalisierung durch die Gründung von Borouge International, so Seele. So könnten Märkte in Asien nun von der (früheren) Borealis bedient werden. "Wir fangen an, immer mehr kontinentale Grenzen der Vermarktung aufzuheben."

Neue Produktion in China geplant

Auch wenn sich Seele zu Investitionen an den Standorten in Österreich bekennt, müsse Borouge auch den Kunden folgen - etwa der Autoindustrie. Der Umstieg auf E-Mobilität sei für die Borouge-Produkte eher ein Vor- als ein Nachteil, da leichte Bauteile noch wichtiger würden, aber die Produktion verschiebe sich nach Asien. Mitte April hat Borouge ein 50:50 Joint Venture mit Wanrong New Materials angekündigt, um auf dem Grünen Feld einen sogenannten "Cracker" zur Produktion von Polyethylen im chinesischen Fujian zu entwickeln. Interessant ist dabei, dass hier auf Basis von Gas Polyethylen erzeugt wird, während dies sonst in Asien auf Basis von Erdöl geschieht. Borouge erzeugt insgesamt mehrheitlich auf Gasbasis statt auf Ölbasis, was in der aktuellen Krise einen Wettbewerbsvorteil bedeutet.

(Redaktionelle Hinweise: Compliance-Hinweis: Die Reise erfolgt auf Einladung des Bundeskanzleramts. Die Kosten werden zum Teil vom Bundeskanzleramt, zum Teil von der APA getragen. Die Berichterstattung erfolgt unter unabhängiger redaktioneller Verantwortung der APA-Redaktion.) tsk/sag/moh

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