APA News

OMV-Chef Stern: "Europa darf sich nicht zurücklehnen"

31.07.2025, 10:54:00

LNG-Importe aus USA "natürlich sinnvoll", aber Eigenproduktion muss steigen - OMV-Gewinn im ersten Halbjahr um die Hälfte eingebrochen

---------------------------------------------------------------------
AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Neu: Ausführliche Fassung nach Gespräch mit OMV-Chef Stern.
---------------------------------------------------------------------
Für OMV-Chef Alfred Stern ist die Absichtserklärung
der EU, in den nächsten drei Jahren Öl und Gas im Wert von 750 Mrd.
Dollar (knapp 640 Mrd. Euro) von den USA zu beziehen, "natürlich
sinnvoll". Die USA hätten sich in den letzten Jahren als der
wichtigste LNG-Lieferant für Europa etabliert. Allein die OMV habe
dort LNG-Verträge für 2 Mio. Tonnen jährlich abgeschlossen. Dennoch
dürfe man sich in Europa "nicht zurücklehnen", sondern auch die
eigene Energieproduktion erhöhen.
"Je mehr Lieferquellen wir haben, desto besser - weil Angebot und
Nachfrage den Gaspreis in Europa bestimmen werden", sagte Stern am
Donnerstag zur APA. "Ich weiß nicht, was die EU genau vorhat und
machen wird, aber bei der OMV werden wir natürlich weiterhin an der
Diversifizierung unseres Gas-Portfolios arbeiten. Wir werden
weiterhin privatwirtschaftliche Verträge abschließen, und diese
müssen auch so sein, dass wir damit wirtschaftlich umgehen können."
Neptun Deep soll ab 2027 Gas liefern
Die OMV selbst treibt im rumänischen Schwarzen Meer ihr Projekt
"Neptun Deep" voran, "das für die EU von strategischer Bedeutung
ist. Mit 100 Mrd. Kubikmetern förderbaren Reserven ist das das
größte Gasprojekt der EU." Eigene Produktion "ist das beste, was die
EU für die Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit tun kann."
Deshalb müsse Neptun Deep 2027 on stream gehen. Zusätzlich habe die
OMV-Tochter Petrom ein Explorationsprojekt in bulgarischen
Gewässern.
Closing für Borouge Group Anfang 2026
Eine für die OMV wichtige strategische Entscheidung, die Stern
getroffen hat, ist die Fusion ihrer Petrochemietochter Borealis mit
Borouge zur Borouge Group International. Die OMV und ihr
Kernaktionär ADNOC (Abu Dhabi National Oil Company) werden daran
jeweils knapp 47 Prozent der Anteile halten. "Damit haben wir die
OMV wirklich in eine andere Liga gebracht." Das Hauptquartier wird
in Österreich sein, das Closing wird für das erste Quartal 2026
angepeilt. Stern zieht sich Ende August 2026 von der OMV-Spitze
zurück, hält sich aber bedeckt, ob er selbst eine Funktion bei der
künftigen Borouge Group International anstrebt. Sein Vorgänger
Rainer Seele hat im Mai bei der ADNOC-Tochter XRG angeheuert, um
deren internationales Chemiegeschäft zu leiten. Vor zwei Wochen hat
die OMV bekannt gegeben, dass die ADNOC ihren 24,9-Prozent-Anteil an
der OMV an ihren neuen Investmentarm XRG übertragen will.
Reoil, Wasserstoff und Geothermie
Außerdem habe die OMV noch andere "innovative und transformative
Projekte" laufen. Dazu zähle die bereits laufende Reoil-Anlage mit
einer Produktion von 16.000-Tonnen. In der Raffinerie in Schwechat
habe man jetzt auch Österreichs größten Elektrolyseur in Produktion.
"Und wir haben eine Investitionsentscheidung gemacht für den
nächstgrößeren, wo wir jetzt die Erfahrungen von den 10 Megawatt auf
140 Megawatt hochskalieren wollen in Bruck an der Leitha." Der
gesamte grüne Wasserstoff werde in der Raffinerie verwendet, um die
Kraftstoffe und Rohstoffe für die Chemieproduktion zu
dekarbonisieren. Gute Fortschritte mache man auch beim
Geothermie-Projekt in Wien-Aspern, wo man jetzt mit der
Testproduktion beginne. Bis spätestens 2028 sollen damit die ersten
20.000 Haushalte CO2-neutral beheizt werden. In Graz will man noch
heuer damit beginnen, das Potenzial für Geothermie auszuloten.
Gewinneinbruch im ersten Halbjahr
Die OMV hat im ersten Halbjahr 2025 deutlich weniger verdient als
im Vorjahr. Der den Aktionären zurechenbare Gewinn fiel um 55
Prozent auf 384 Mio. Euro. Grund dafür waren vor allem niedrigere
Ölpreise, Währungseinflüsse und geringere Verkaufsmengen. Der
Ölpreis sei im vergangenen Quartal kurzzeitig sogar unter 60 Dollar
gefallen, sagte Stern. Für das Gesamtjahr rechnet er mit einem
Ölpreis von 70 Dollar. "Den Outlook für Gas haben wir leicht
zurückgenommen. Den deutschen Handelspreis THE hatten wir zuvor mit
40 bis 45 Euro pro Megawattstunde und wir sind jetzt auf circa 40
zurückgegangen." Die Raffineriemargen habe man bisher bei ungefähr 6
Dollar pro Barrel gesehen, diese Erwartung habe man jetzt auf über 7
Dollar pro Barrel erhöht.
Der Umsatz des teilstaatlichen Energie- und Chemiekonzerns ging
im Halbjahr um 7 Prozent auf 12 Mrd. Euro zurück, das operative
Ergebnis (vor Sondereffekten und Lagerhaltungseffekten) sank um 19
Prozent auf 2,19 Mrd. Euro.
Schwächeres Ergebnis auch im 2. Quartal
Auch im zweiten Quartal blieben die Ergebnisse hinter dem Vorjahr
zurück. Der bereinigte Quartalsgewinn (CCS Periodenüberschuss vor
Sondereffekten) betrug 385 Mio. Euro, ein Minus von 22 Prozent. Das
bereinigte operative Ergebnis sank um 16 Prozent auf 1,03 Mrd. Euro,
der Umsatz verringerte sich um 13 Prozent auf 5,79 Mrd. Euro. Der
Gewinn je Aktie fiel um mehr als ein Drittel auf 0,74 Euro.
Der Mittelzufluss aus dem operativen Geschäft (Cashflow) belief
sich im zweiten Quartal auf 1,08 Mrd. Euro und lag im ersten
Halbjahr bei 2,44 Mrd. Euro. Die Nettoverschuldung betrug zum Ende
des Quartals 3,22 Mrd. Euro, der Verschuldungsgrad blieb mit 12
Prozent niedrig.
(Redaktionelle Hinweise: GRAFIK 1010-25, 88 x 112 mm)
  ivn/bel
 ISIN  AT0000743059
 WEB   http://www.omv.com


Preisinformation

OMV AG

Weitere News

Zur News-Übersicht


Disclaimer

Die Wiener Börse übernimmt keine Garantie für die Richtigkeit der Daten.
© 2026 Wiener Börse AG
Quelle: APA