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Agrana - Hoher Verlust bei Zucker zehrte Fruchtgeschäft-Gewinn auf

09.05.2025, 13:40:00

Konzernchef: "Zucker, das ist ein Desaster" - "Sehr gute Performance" im Frucht-Geschäft - Kein Konzerngewinn 2024/25, Dividende für Aktionäre sinkt nur von 0,90 Euro auf 0,70 Euro/Aktie

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Neu: Zusammenfassung mit weiteren Details.
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Ein hoher Verlust im Zucker-Segment hat bei der
börsennotierten Agrana im Geschäftsjahr 2024/25 den Gewinn im
Frucht-Geschäftsbereich fast aufgezehrt. Das Betriebsergebnis (EBIT)
bei Zucker belief sich auf minus 91,1 Mio. Euro, bei Frucht auf plus
99,7 Mio. Euro. "Zucker, das ist ein Desaster", sagte Agrana-Chef
Stephan Büttner am Freitag bei der Bilanzpressekonferenz. Das den
Aktionärinnen und Aktionären zurechenbare Konzernergebnis belief
sich auf minus 4,3 Mio. Euro.
Billig-Zuckerlieferanten aus der Ukraine hätten "den Markt
überschwemmt", so der Agrana-Chef. Die zollfreien Zuckermengen für
die Ukraine seien "ein absoluter Fehler" gewesen. Weiterhin hohe
Energiekosten und deutlich gesunkene Zuckerpreise setzten den
Agrana-Geschäftsbereich stark unter Druck. Im März beschloss der
Konzern, die Zuckerfabriken im niederösterreichischen Leopoldsdorf
und im tschechischen Hrušovany zu schließen. Ukrainische Oligarchen
hätten sich für das geschlossene Werk in Tschechien und Maschinen
aus Leopoldsdorf interessiert, so Büttner. "Das ist schon ein
bisschen absurd." Der Schweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler
hat Anfang eine Absichtserklärung zur Pachtung des Agrana-Geländes
in Leopoldsdorf unterzeichnet, um dort Züge zu warten.
Rezession belastet Agrana
Der Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzern spürt die wirtschaftlich
angespannte Lage. Der Agrana-Umsatz ging 2024/2025 um 7,2 Prozent
auf 3,5 Mrd. Euro zurück. Im Frucht-Geschäft machte der Konzern mit
1,63 Mrd. Euro (+4,1 Prozent) mehr Umsatz. Weniger Erlöse
verzeichnete man im Stärke-Segment mit 1 Mrd. Euro (-11,7 Prozent)
und im Zucker-Bereich mit 867 Mio. Euro (-18,8 Prozent). "Eine
schwache Konjunktur in Europa samt Rezession in Österreich und
Deutschland und die immer noch hohen Volatilitäten auf der Rohstoff-
und Energieeinkaufseite sorgen für ein Marktumfeld, das weniger
vorhersehbar ist als je zuvor," sagte der Konzernchef. Das
Betriebsergebnis im Stärke-Geschäftsbereich brach um 37 Prozent auf
31,9 Mio. Euro ein. Die negative konjunkturelle Lage, das
schwächelnde Ethanolgeschäft und Hochwasserschäden im Werk in
Pischelsdorf hätten den Stärke-Geschäftsbereich belastet.
Erfreulich liefen für die Agrana 2024/25 hingegen die Geschäfte
mit Fruchtzubereitungen und Fruchtsäften. Trotz der schwierigen
wirtschaftlichen Rahmenbedingungen habe das Fruchtgeschäft eine
"sehr gute Performance" geliefert, sagte der Agrana-Chef. Das
Betriebsergebnis im Segment Frucht legte um 66 Prozent auf 99,7 Mio.
Euro zu. Der Konzern will das Fruchtgeschäft mit Investitionen und
Übernahmen weiter ausbauen. Derzeit hält die Agrana 50,01 Prozent am
Getränkegrundstoff-Hersteller Austria Juice, 49,99 Prozent der
Lagerhaus-Konzern RWA. Man habe "absolutes Interesse an Austria
Juice", sagte der Agrana-Chef. Bisher habe sich ein Deal noch nicht
ergeben.
Agrarkonzern weiter in Russland und Ukraine aktiv
Der russische Überfall auf die Ukraine betrifft den
Lebensmittelkonzern seit Februar 2022 doppelt. Die Agrana betreibt
in der Ukraine in Vinnitsa - rund 300 Kilometer südwestlich von Kiew
- ein Fruchtzubereitungs- und ein Fruchtsaftkonzentratwerk sowie in
Russland in Serpuchov - rund 100 Kilometer südlich von Moskau - ein
Fruchtzubereitungswerk. Man hoffe auf "ein Ende des schrecklichen
Krieges", so Büttner. Ein Rückzug aus Russland und der Ukraine sei
weiterhin kein Thema. Das Werk in Russland stelle
Grundnahrungsmittel her und beliefere den lokalen Markt.
Für das laufende Geschäftsjahr 2025/26 erwartet der Agrana-Chef
ein Betriebsergebnis "auf Vorjahresniveau". Im ersten Halbjahr
erwarte man noch "deutliche Verluste" im Zuckerbereich. Für die
Zuckerrübenverarbeitung im Herbst/Winter 2025 hat die Agrana mit den
Bauern eine Flächenreduktion von 95.000 auf 65.000 Hektar
vereinbart. Die Zuckerproduktion wird damit von rund 800.000 auf
600.000 Tonnen sinken. "Die deutliche Reduktion der Anbauflächen ist
notwendig und richtig", so der Agrana-Chef. Mit österreichischen
Landwirten reduzierte der Lebensmittelkonzern die vertraglich
fixierten Zuckerrüben-Anbauflächen von rund 44.000 im Jahr 2024 auf
heuer 27.000 Hektar.
Kein Konzerngewinn, dennoch Dividende
Trotz fehlendem Gewinn im Geschäftsjahr 2024/25 gibt es gute
Nachrichten für die Aktionäre. Der Vorstand wird der
Hauptversammlung heuer die Ausschüttung einer Dividende von 0,70
Euro je Aktie vorschlagen, 2023 waren es 0,90 Euro. Mit der
anvisierten Dividende für 2024 würde der Konzern rund 44 Mio. Euro
ausschütten. Büttner verwies auf die "zuverlässige
Dividendenpolitik" der Agrana und auf den positiven Free Cashflow.
Die Ausschüttung mache ihm "kein großes Kopfzerbrechen".
cri/tsk/ivn
 ISIN  AT000AGRANA3
 WEB   http://www.agrana.com


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