Von Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges konsolidierten sich die Verhältnisse auf dem Kapitalmarkt weiter. Der Aktienmarkt verfügte über ein Stammpublikum aus reichen Financiers. Der Anleihemarkt wurde von einer breiten Schicht des Mittelstandes, den so genannten Privatiers, bestimmt.

Erster und Zweiter Weltkrieg

Während des Ersten Weltkrieges war die Börse geschlossen. Erst Ende 1919 wurde der offizielle Aktienhandel wieder aufgenommen und die Wiener Börse erlebte erneut einen starken Zulauf und eine Hausse, die mit einem Crash im März 1924 abrupt endete. Die Aktienkurse erholten sich in Wien in den folgenden Jahren nur langsam. Zudem beeinträchtigten die Folgen der Weltwirtschaftskrise und Bankinsolvenzen den Börsehandel in den folgenden Jahren stark und ließen nicht nur die Aktienkurse, sondern auch die Zahl der Börsebesucher stark zurückgehen. Der Kurssturz an der New York Stock Exchange im Oktober 1929 hatte für Wien jedoch keine erheblichen Auswirkungen.

Obwohl die Stellung der Wiener Börse als Finanzplatz durch den Zerfall der Monarchie stark geschmälert worden war, behielt sie für Südosteuropa weiterhin Bedeutung. Viele Wertpapiere aus den Nachfolgestaaten der Monarchie, wie z.B. aus Ungarn und der Tschechoslowakei, wurden weiterhin in Wien gehandelt. Unter den 205 Aktien, die 1937 an der Wiener Börse gehandelt wurden, befanden sich noch 75 ausländische aus den Nachfolgestaaten.

Die Sanierung der in Unordnung geratenen Staatsfinanzen hatte eine tiefgreifende Umschichtung der Besitzstrukturen in der österreichischen Wirtschaft zur Folge. Große Bankkonzerne entstanden. Damit trat für manche Industriezweige eine Entfremdung gegenüber dem Kapitalmarkt ein, während die den Banken nahestehenden Konzerngruppen systematisch anwuchsen.

Mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahre 1938 verlor die Wiener Börse ihre Selbstständigkeit und wurde dem deutschen Börsenrecht unterstellt. Der Wertpapierhandel selbst wurde – wenngleich stark eingeschränkt – bis kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges fortgesetzt.

Die Nachkriegszeit und der Wiederaufbau

1948 wurde die Börse wieder eröffnet. Im Juli 1949 wurde mit der "Aufbauanleihe" die erste Bundesanleihe der Zweiten Republik begeben und an der Börse eingeführt. Der Aktienmarkt erlitt nach dem Krieg durch die Verstaatlichung einzelner Industriezweige eine gewisse Einengung. Der Anleihenmarkt hingegen hatte sich nach der Währungsreform im Jahre 1952 wieder erholt. Erst in den 60er Jahren war ein langsamer Aufwärtstrend am Aktienmarkt zu verzeichnen. Auch ausländische Aktienwerte wurden wieder zum Handel zugelassen.

Ein Großbrand am 13. April 1956 zerstörte einen Teil des Börsegebäudes, insbesondere den großen Wertpapierbörsesaal, der nicht wieder aufgebaut wurde. Das Gebäude wurde im Dezember 1959 wieder eröffnet.

Download

Erklärvideos der Wiener Börse.

Auf den Punkt gebracht: Unsere Videos erklären die Börse als Marktplatz, den Weg an die Börse & wie in Wertpapiere veranlagt wird.

Jetzt Videos ansehen