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Immunisiert das Vakzin 2021 auch die Märkte?

Raja Korinek | Börsen-Kurier

Wird die Corona-Impfwelle ein Erfolg, dann dürften vor allem zyklische Aktien profitieren.

Der erste Schock nach Ausbruch der Covid-19-Pandemie scheint verdaut. Die Märkte starteten positiv in das Jahr. Freilich, hinter der Euphorie steckt die Hoffnung auf eine erfolgreiche Impfwelle gegen das Corona-Virus. „Daran orientiert sich derzeit vieles“, bringt es Erich Stadlberger, der Leiter Asset Management und Private Banking der Oberbank, bei seinem Jahresausblick 2021 in Hinblick auf die Aktienmärkte auf den Punkt. Er meint, auch die anhaltend unterstützende Geld- und Fiskalpolitik, die für ein niedriges Zinsniveau sorgt, macht ein Aktieninvestment praktisch alternativlos. Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3-Banken-Generali GmbH, fügt noch hinzu: „Die Notenbanken wurden früher als Währungshüter bezeichnet. Inzwischen hat ein Schulterschluss zwischen der Geld- und der Fiskalpolitik stattgefunden, weshalb es in nächster Zeit auch keine Zinsanhebungen geben wird.“ Die Entwicklung bleibt nicht ohne Folgen für die Märkte: Während die Gewinnrendite (prozentueller Gewinnertrag eines Unternehmens bezogen auf den Aktienkurs) allein bei US-Aktien rund 4 % beträgt, liegt die Rendite 10-jähriger US-Staatsanlegen bei 0,7 %, verweist Stadlberger auf die enorme Differenz.

Verschiebung Richtung Europa

Doch wo kann man Chancen aktuell noch nutzen? Dazu muss man einen Blick auf die Benchmark im Oberbank Private Banking, den MSCI All Country World Index, werfen, der gut 49 Märkte abdeckt. „Darin dominieren die fünf größten Aktienmärkte USA, Japan, China, UK, Kanada“, so Stadlberger. Auffällig sei auch die besonders hohe IT-Gewichtung von 20,6 %. 

Angesichts der positiven Aussichten haben sich die Präferenzen bei der Oberbank verschoben, weshalb im Übrigen auch ein aktives Management umso wichtiger sei, betont Stadlberger: „Aufgrund der erwarteten zyklischen Erholung präferieren wir konjunkturabhängigere Regionen wie Europa. Vor diesem Hintergrund haben wir in der Oberbank-Hausmeinung eine Gewichtung des US-Marktes von 47 versus 57 % vom MSCI World All Country.“ Europäische Aktien sind demgegenüber mit 33 % im Vergleich zur Benchmark (20 %) übergewichtet. In Europa sind immerhin zahlreiche Titel unter anderem aus der Banken-, Öl- und Automobilbranche hoch gewichtet, allesamt sehr zyklische Branchen.

Heimischer ATX hat noch Potential

Dazu zählt auch der heimische Aktienmarkt. Einzig, das KGV für 2020 liegt beim ATX mit rund 26 über dem historischen Durchschnitt während sich die Gewinnschätzungen in den vergangenen Monaten stabilisiert haben, betont Christoph Schultes, Chief-Equity-Analyst Österreich der Erste Group. Er sagt aber auch: „Eine vollständige Erholung und die Rückkehr zu Gewinnniveaus von 2019 sind noch nicht eingepreist.“ Das KGV dürfte deshalb im kommenden Jahr auf 15,7 sinken.

Positiv zeigt sich Schultes auch bei den Dividenden. Sie wurden im Krisenjahr teils kräftig gekürzt. Oder ganz gestrichen, etwa bei Finanztiteln auf Empfehlung der Finanzmarktaufsicht. „Für heuer sowie 2022 gehen wir wieder von stark steigenden Dividenden aus.“ Schultes hat zudem klare ATX-Favoriten, zu denen AT&S - profitiert vom High-Tech-Boom-, Andritz - Tochter Schuler sollte von der Belebung des Automobilmarktes profitieren - sowie die RBI zählen. „Die Bewertung bei letzterem Titel ist zu negativ.“

Asien als Schwellenländer-Favorit

Auch die Emerging Markets bieten Chancen, sie sollten ebenso im Fokus stehen, findet Stadlberger. Bei der Oberbank hat man ein Auge vor allem auf Asien geworfen. Immerhin scheint China der Pandemie-Kampf bislang erfolgreich zu gelingen. Die wirtschaftliche Erholung dürfte umso höher ausfallen - und positiv auf die gesamte asiatische Region ausstrahlen.

Überhaupt dürften rund um den Globus die Unternehmensgewinne wieder anziehen und die relativ hohen Bewertungen damit wieder sinken, meint Stadlberger. Das KGV für globale Aktien (gemessen am MSCI World Index) liegt derzeit bei rund 33 und dürfte sich heuer auf 21 vergünstigen.

 

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