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„Unspektakuläre, aber weiterhin solide Gewinne“

Stefan Riedel, München | Börsen-Kurier

DWS-Fondsmanager Kaldemorgen erwartet weiter steigende Aktienkurse.

Klaus Kaldemorgen zählt zu den Grandseigneurs unter den deutschen Fondsmanagern. Das Flaggschiff des 65-Jährigen, der seit 1982 bei der Fondsgesellschaft DWS und deren Vorläufern arbeitet, ist der Mischfonds „DWS Concept Kaldemorgen“ (ISIN: LU0599946893). Mit einer Rendite von 12 % und Mittelzuflüssen von mehr als 2 Mrd. EUR hat der im Mai 2011 aufgelegte Fonds 2019 eine im langjährigen Mittel überdurchschnittliche Performance hingelegt.

Auf die Frage, ob die Märkte in diesem Jahre ihre Aufwärtsbewegung fortsetzen, gibt sich Kaldemorgen im Interview mit dem Börsen-Kurier optimistisch: „Ich rechne damit, dass die Börsen das Jahr 2020 mit Gewinnen im hohen einstelligen Bereich abschließen werden. Statistisch lässt sich belegen, dass nach einem Superjahr für die Börsen wie es 2019 war, oft ein Jahr mit unspektakulären, aber eben doch soliden Gewinnen folgte. Dazu kommt, dass sich die Börsen von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen in einem US-Wahljahr positiv entwickelten.“

Geht es nach Kaldemorgen, sollten sich die Börsen aber in einem wesentlichen Punkt gegenüber 2019 verändern: „Etwas mehr Volatilität, weil das für einen flexibel reagierenden Fonds wie meinen immer besser ist.“ Bis zu 50 % Aktienanteil kann Kaldemorgen in seinem Fonds fahren. Aktuell liegt er bei 45 %. Die Renditechancen für Anleihen schätzt er noch kritischer als im Vorjahr ein – und agiert dementsprechend zurückhaltend. Neben Staatsanleihen aus Schwellenländern in Hartwährung setzt er hier auf US-Staatsanleihen: „Hier habe ich eine ordentliche Portion als sicheren Hafen gegen Ungemach an den Märkten aufgebaut.“

Keine großen Umschichtungen

Größere Umschichtungen bei Aktien hat Kaldemorgen zuletzt nicht vorgenommen – abgesehen von einigen britischen Titeln, die er währungsgesichert zugekauft hat, nachdem sich eine Lösung beim Brexit-Streit abzeichnete. In der Portfoliostrategie nimmt Europa den defensiven Part ein. Mangels global führender Wachstumswerte wie sie die USA mit Apple oder Amazon hervorbringe, schätzt er hier defensive Geschäftsmodelle, vor allem von Versorgern, Immobilien- und Pharmakonzernen.

Branchen mit strukturellen Problemen wie die Autoindustrie und ihre Zulieferer lässt er dagegen ganz außen vor. Die Herausforderung, rentabel und nachhaltig zu wirtschaften, stelle diese Branchen in den nächsten Jahren vor gewaltige Herausforderungen: „Die Umstellungen auf der Emissionsseite kosten eine Menge Geld. Die erhofften Gewinne werden sich erst in fünf Jahren einstellen, was wiederum die Investoren in ein Dilemma bringt.“

Aber auch die Fondsgesellschaften selbst müssen sich der Aufgabe stellen, wie ihre Anlagestrategien den wachsenden Anforderungen hinsichtlich Nachhaltigkeitsaspekten Rechnung tragen: „Beim Auswahlprozess haben wir aufgrund der sehr heterogenen Ansichten noch einen bunten Strauß. Eine zentrale Frage bleibt, wie man mit CO2-Emissionen umgeht.“ Als aktuelles Beispiel, wo sich die Geister scheiden, nennt er die Ölindustrie. Während Öl als fossiler Brennstoff bei einigen Fondsgesellschaften generell bei den Ausschlusskriterien durchfalle, plädierten andere dafür, den Konzernen eine Chance zu geben in nachhaltige Energien zu investieren.

Bei seiner Anlagestrategie orientiert sich Kaldemorgen am Best-in-Class-Ansatz für alle Branchen. Dabei greift er auf die Nachhaltigkeitsdaten zurück, welche verschiedene externe Analysehäuser liefern. Mit diesem Ansatz hofft er, sich auch 2020 die aus seiner Sicht weiterhin niedrigen Aktienbewertung zunutze zu machen: „Über die letzten 10 Jahre haben sich die Bewertungen bei stark sinkenden Zinsen kaum verändert. Die Kurse sind deshalb gut unterstützt und könnten weiter steigen.“

 

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