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Die Wall Street hält den Atem an

Jens Korte | New York | Börsen-Kurier

Der Countdown läuft. In wenigen Tagen wählen die USA. Statistisch betrachtet, können Investoren den kommenden Wochen gelassen entgegenblicken. Normalerweise ging es mit den Märkten nach oben, unabhängig davon, wer das Rennen macht. Auch die Wochen zwischen der Wahl und dem eigentlichen Amtsantritt im Jänner waren überwiegend entspannt.

2020 ist jedoch kein gewöhnliches Jahr. Und möglicherweise könnte sich das Drama von 2000 wiederholen. Damals gab es zunächst keinen klaren Siegen zwischen George W. Bush und Al Gore. Die Stimmen in Florida mussten per Hand nachgezählt werden. Letztlich entschieden 537 Stimmen in dem Bundesstaat. Der S&P 500 knickte bis zu Bushs Amtsantritt um 6,3 % ein. Sollte Donald Trump die diesjährige Wahl bei einer Niederlage anfechten, könnten die Märkte erneut sensibel reagieren. Auch 2008 gab es nach der Wahl kräftige Kursabschläge. Das lag jedoch in erster Linie an der Finanzkrise und nicht am Erfolg Barack Obamas.

Mit einer „blue wave“ rechnet die UBS. Danach würden die Demokraten nicht nur den neuen Präsidenten stellen sondern auch den Senat zurück erobern. Dieses Szenario hat laut der UBS eine Wahrscheinlichkeit von 50 %. Ähnlich schätzen das die US-Experten der Deutschen Bank ein. Danach sei ein „blue sweep“, also, dass Joe Biden gewinnt und der Senat ebenfalls an die Demokraten geht, das Beste, was den Märkten passieren könnte. Die Demokraten könnten problemlos ein neues Hilfspaket in Höhe von rund 2 Bio. USD beschließen. Das wiederum könnte die Wirtschaft um zusätzliche 5 %-Punkte anfeuern und rund drei Millionen zusätzliche Jobs kreieren.

Als zweitwahrscheinlichsten Fall sieht die Deutsche Bank einen Wahlsieg von Biden bei einem gespaltenen Kongress an. Eigentlich zeigt die Historie, dass die Märkte bei einem gespaltenen Kongress seit 1929 genauso gut performt haben wie unter einem Kongress, der von einer Partei kontrolliert wurde. Doch mit der Pandemie haben sich die Vorzeichen geändert. Ein neues Hilfspaket scheint essentiell für den Aufschwung. Für die Deutsche Bank wäre ein Sieg Bidens und ein weiterhin republikanischer Senat das schlechteste Szenario, weil die Republikaner dann die Reformpläne blockieren könnten. Das befürchtet auch Sam Stovall. Der Chief Investment Strategist von CFRA hält ein Hilfspaket für unwahrscheinlich, solange nicht eine Partei sowohl Repräsentantenhaus als auch Senat kontrolliert. Insofern dürfte für die Wall Street die Besetzung des Kongress nach dem 3. November ebenso wichtig sein wie die Wahl des Präsidenten. Der Countdown läuft...

 

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