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Die größte Rotation seit Jahrzehnten

Jens Korte | New York | Börsen-Kurier

Das neue Jahr hat mit einem Knall begonnen. Technologieaktienverloren in der ersten Jänner-Woche 4,5 %. Die US-Börsen erleben die größte Rotation seit 1995. Es wird auf der einen Seite Geld aus den Wachstumsbereichen abgezogen. Auf der anderen Seite zieht es die US-Investoren verstärkt in zyklische Werte. Die Aktien von Banken, Autoherstellern oder Energiekonzernen steigen.
Eine ähnliche Dynamik erlebte die Wall Street im ersten Quartal 2021. Im weiteren Jahresverlauf gab es schließlich doch das Comeback von Big Tech. Der Nasdaq Composite beendete 46 Handelstage im Börsenjahr 2021 auf einem Allzeithoch. Am 3. Jänner 2022  erzielte Apple eine Marktbewertung von 3 Bio. USD (!). Das ist noch keinem anderen US-Unternehmen gelungen. Tesla hat zwischenzeitlich eine Marktbewertung von rund 1 Bio. USD erreicht. General Motors bringt es lediglich auf eine Bewertung von 90 Mrd. USD. 

Die US-Investoren fremdeln schon seit geraumer Zeit mit Technologiewerten. Das drückte sich bisher nur nicht in den Indizes aus, weil Schwergewichte wie Apple oder Microsoft mittlerweile einen so großen Einfluss auf die Börsenbarometer haben. Bei anderen, durchaus auch großen Tech-Unternehmen hat die Rotation längst eingesetzt. Die Aktie von Twitter ist vom Hoch im Feber 2021 rund 50 % weggebrochen. Paypal ist seit Sommer um 40 % gefallen. Oder Intel hat seit dem Hoch im April 2021 mehr als 20 % verloren. 

Wird die Rotation 2022 länger Bestand haben als vor einem Jahr? Es gibt einige Anzeichen, die dafürsprechen. Das liegt in erster Linie an der US-Notenbank. Die Fed wird aller Voraussicht nach in diesem Jahr die geldpolitischen Zügel anziehen. Nach jüngsten Schätzungen könnte die Notenbank in diesem Jahr vier Zinserhöhungen vornehmen. Zudem könnten die Geldhüter anfangen, nicht nur das Aufkaufprogramm von Anleihen zu beenden, sondern die billionenschweren Anleihepositionen abzubauen

Ein Grund, weshalb Fed-Chef Jerome Powell und seine Kollegen aggressiver werden, ist die Inflation. Zuletzt sind etwa die Löhne in den USA gegenüber Vorjahr um 4,7 % gestiegen. Ein weiterer, nicht so negativer Grund ist, dass die Wirtschaft anzieht. So ist die Arbeitslosenquote von 4,2 auf 3,9 % gefallen. Damit nähern sich die USA dem 50-Jahres-Tief von 3,5 % an. Eine stärkere Wirtschaft spricht für zyklische, also konjunktursensible, Werte. Das könnte durchaus Bestand haben. Vorausgesetzt, dass nicht die nächsten Covid-Varianten die Wirtschaft wieder stilllegen und den nächsten digitalen Boom lostreten. Oder, dass die politische Missgunst in Washington das Land lähmt.


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Die Wiener Börse AG verweist ausdrücklich darauf, dass die angeführten Informationen, Berechnungen und Charts auf Werten aus der Vergangenheit beruhen, aus denen keine Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung oder Wertbeständigkeit gezogen werden können. Im Wertpapiergeschäft sind Kursschwankungen und Kapitalverluste möglich. Der Beitrag gibt die persönliche Meinung des Autors wieder und stellt keine Finanzanalyse oder Anlageempfehlung der Wiener Börse AG dar.

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