Wiener Börse News

Die Dividendenfrage

Manfred Kainz | Börsen-Kurier

In Tagen wie diesen taucht auch die Frage auf, ob es eine wirtschaftsethische Pflicht wäre, nun auf Dividendenauszahlungen zu verzichten. So haben die EZB und unsere FMA den Banken die „dringende Empfehlung“ gegeben, vorerst für zumindest sechs Monate von der Ausschüttung von Dividenden für das abgelaufene Geschäftsjahr Abstand zu nehmen. Angesichts der massiven staatlichen Unterstützungspakete wäre es „völlig unverständlich, wenn Banken ihre finanziellen Ressourcen durch eine unverantwortliche Ausschüttungspolitik schmälerten“.

Und wie sieht es bei anderen börsennotierten Unternehmen aus? Die Gespräche, die ich in den vergangenen Tagen geführt habe, gaben mir den Eindruck, dass Privataktionäre sehr viel Verständnis für die derzeitige, für alle außergewöhnliche Situation aufbringen. Dazu kommt, dass die Austro-AG schon in der Vergangenheit eine insgesamt zurückhaltend-vernünftige Dividendenpolitik verfolgt haben; siehe die durchschnittliche Pay-out-Ratio von nur 30 bis 50 % bei den meisten Unternehmen. Bis auf weiteres gibt es wegen der öffentlichen Einschränkungen ohnehin keine Hauptversammlungen, die über die Gewinne 2019 und damit über eine Dividendenausschüttung diskutieren und befinden könnten, und das wird sich so schnell nicht ändern. Was es aber schon gibt, sind Signale aus immer mehr AG, dass sie ihre ursprünglichen Dividendenvorschläge zumindest „evaluieren“. Wir, vor allem aber vorausseilende Kritiker, sollten daher davon ausgehen, dass unsere Unternehmen durchaus das nötige Augenmaß haben, was sinnvoll ist, auch in Zeiten wie diesen. Es gibt jedenfalls keine Anzeichen für überzogene Dividenden und eine Prognose, dass es zu Abschlägen kommen wird, ist wohl nicht zu gewagt.

Und was den Wirtschafts-„Kreislauf“ betrifft: Die großen Dividendenzahler an der Wiener Börse waren in der Vergangenheit die Unternehmen mit Staatsbeteiligung, wie OMV, Post und Verbund. Die verfügen über eine solide Eigenkapitalausstattung und ausreichend Liquidität. Der Großteil ihrer Dividende fließt dem Staat zu und kommt somit wieder der öffentlichen Hand zugute - die irgendwann Nachschub für das Füllhorn brauchen wird, das sie nun ausschütten muss. Auch Neid auf Privataktionäre ist unangebracht, denn die zahlen auf Dividenden – so es eine gibt – 27,5 Prozent an Kapitalertragsteuer in das Staatssäckel, was auch der Allgemeinheit zugutekommt. 

 

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Die Wiener Börse AG verweist ausdrücklich darauf, dass die angeführten Informationen, Berechnungen und Charts auf Werten aus der Vergangenheit beruhen, aus denen keine Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung oder Wertbeständigkeit gezogen werden können. Im Wertpapiergeschäft sind Kursschwankungen und Kapitalverluste möglich. Der Beitrag gibt die persönliche Meinung des Autors wieder und stellt keine Finanzanalyse oder Anlageempfehlung der Wiener Börse AG dar.

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