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Auf zwei Beinen steht man sicherer

Manfred Kainz | Börsen-Kurier

Nicht auf Hacklerpension und Frühstarterbonus verlassen.

Da ging es politisch heiß her: Die Bundesregierung will die „Hacklerregelung“ abschaffen, Opposition und Arbeitnehmervertretungen prangern „Pensionsraub“ an. Der von der Regierung als Ersatz und bessere Lösung angebotene „Frühstarterbonus“ macht auch nicht alle glücklich. Was für beide Varianten gilt: Wir sprechen da von sehr langen Zeiträumen, in denen Beitragszahler Geld einzahlen müssen: bei der Hacklerregelung 45 Beitragsjahre; hingegen „nur“ 25 Beitragsjahre soll es brauchen, um in den Genuss des alternativen Frühstarterbonus zu kommen.

Lange Ansparphase

Wer sich auf beide Auszahlungsaussichten beim Pensionsantritt nicht verlassen will, der sollte sich – staatliche Pension hin oder her – über eine zusätzliche private Säule Gedanken machen, falls noch nicht getan. Das ist keine große Hexerei. Jeder kann beispielsweise einen Fondsansparplan machen oder eine fondsgebundene Lebensversicherung nützen.

Bei einer so langen Ansparphase von 25 Jahren sind reine Aktienfonds attraktiv, da man den Cost-Average-Effekt nützen kann, einen schönen Kapitalstock aufbauen kann und langfristige Aktienfonds durchaus 5 bis 7 % pro Jahr bringen können.

Steuersparen

Vorteil von fondsgebundenen Versicherungsvarianten: da fällt keine 27,5 %-ige KESt an, sondern nur 4 % Versicherungssteuer auf die die eingezahlten Beträge. Einfaches Beispiel: Wenn man via Direktfonds über 25 Jahre 100.000 Euro angespart und 50.000 Euro Gewinn gemacht hat, gehen von der angehäuften Summe 13.750 Euro an KESt weg. In der fondsgebundenen Versicherung fallen nur 4.000 Euro an Versicherungssteuer auf die Prämien an, man spart sich also nahezu 10.000 Euro an Steuer. Bei reinen Fonds fallen noch Ausgabeaufschlag, Depotspesen und Fees bei Fondswechsel an, bei der fondsgebundenen Polizze kommen nur Versicherungskosten dazu.

Zahltag

Für die Auszahlungsphase, also ab dem effektiven Pensionsantritt, hat man drei Möglichkeiten: Entweder man will eine lebenslange monatliche Rente beziehen. Die ist zwar sicher, aber eher niedrig, da sie nicht mehr verzinst, sondern nur mehr Kapitalabschichtung ist. Variante zwei: Man nimmt alles heraus und verwendet es nach Gutdünken. Nachteil: Dann ist das Angesparte halt weg, oder – wenn man es neu veranlagt – fallen neue Kosten an. Daher klingt Variante drei vernünftig: Man macht einen „Entnahmeplan“, entnimmt in Tranchen monatlich nur das, was man als Zusatzrente individuell wirklich braucht, und lässt das restliche Kapital „weiterarbeiten“. Denn mit Pensionsantritt ist das Leben ja nicht vorbei; im Gegenteil, die Lebenserwartung steigt stetig, also kann man auch in der Pensionsphase die Fonds noch lange weiterlaufen lassen. Dann kann man später umso mehr entnehmen.

Sowohl bei Direktfonds als auch in der fondsgebundenen Lösung kann man zwecks Absicherung des über die Jahre kumulierten Kapitalstocks in der Spätphase von reinen Aktienfonds in Richtung mehr Anleihen „umschichten“, also beispielsweise zu einer 50:50-Gewichtung gehen. Da nützt man den „umgekehrten Cost-Average-Effekt“: man „nimmt“ die unvermeidlichen Schwankungen „heraus“. Das heißt, man muss nicht mitten in einem Aktiencrash umso mehr Aktien verkaufen, um auf dieselbe Zusatzrente zu kommen. Flexibel ist man auch bei allen Varianten, wann man mit dem Ansparplan beginnt und ob man über die Ansparphase hinweg Einzahlungen erhöht oder reduziert, je nachdem was man sich leisten kann oder will.

Fazit: Das umlagefinanzierte staatliche Pensionsbein hat seine Meriten – mit oder ohne Hacklerpension oder Frühstarterbonus. Und auf einem zweiten Bein zu stehen macht sicherer und man wackelt nicht so, wenn es am ersten Bein zu (weiteren) gesetzlichen Amputationen kommt.

 

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