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Agrana an Regierung: Endlich mehr Bioethanol in den Sprit mischen

14.01.2021, 10:42:00

Konzern exportiert Großteil - Könnte auch hierzulande dem Benzin beigemischt werden - Marihart: Sollte seit 2010 geschehen, es geht auch um Verlässlichkeit der Politik

Der börsennotierte Agrana-Konzern pocht darauf, dass die seit langem geplante zehnprozentige Beimischung von Bioethanol in Benzin endlich umgesetzt wird. Derzeit werden in Österreich nur fünf Prozent beigemischt. "Jetzt haben wir eine türkis-grüne Regierung und es passiert nichts. Diese Möglichkeit zur CO2-Entlastung wird nicht genutzt", kritisierte Agrana-Generaldirektor Johann Marihart im Gespräch mit der APA am Donnerstag anlässlich neuer Konzern-Quartalszahlen.

"Es geht schon auch um die Verlässlichkeit der Politik. Das steht im Regierungsprogramm", führte der Manager ins Treffen. 2008 habe die Agrana eine entsprechende Anlage errichtet. Das Ziel habe damals gelautet, E10 im Jahr 2010 einzuführen. "Jetzt haben wir 2021", sagte Marihart in Richtung der Bundesregierung. "Wieso sollen wir das Bioethanol nach Rotterdam liefern, wenn wir es auch in Österreich beimischen könnten", fragt er.

ÖVP und Grüne schreiben in ihrem Regierungsübereinkommen, dass eine "forcierte Beimischung von Bioethanol (E10)" und eine "Überarbeitung der entsprechenden Zielsetzungen in der Kraftstoffverordnung" in der laufenden Legislaturperiode ansteht. Marihart hat "bisher aber überhaupt keine Signale, wann es zur Umsetzung kommen soll", sagte er auf Nachfrage.

Derzeit exportiert die Agrana fast zwei Drittel (60 Prozent) ihres Bioethanols. Doch das müsste nicht sein, so Marihart. "So entgehen Österreich gut 200.000 Tonnen an Treibhausgaseinsparungen; oder anders gesagt: 60 Prozent des heimischen Treibhausgas-Einsparungspotenzials werden anderen Ländern gutgeschrieben." Werde der Beimischungsanteil von 5 auf 10 Prozent erhöht, sinke der Feinstaubausstoß bei Autos um gut 20 Prozent - "sofort".

Auch an bestimmten Zielsetzungen der EU übt Marihart Kritik. Die Plastikstrategie sieht vor, dass der Ersatz von Plastik nicht auf Basis von potenziellen Nahrungsmitteln erfolgen soll. Theoretisch dürfte man also keine Stärke verwenden, wie es die Agrana etwa bei ihren thermoplastischen, teilkompostierbaren Müllbeuteln tut. "Da glaubt man in der EU offenbar, dass man hier Menschen das Essen wegnimmt. Das ist aber völliger Unsinn."

Die Stärke, die die Agrana verwendet, entstamme einer kaskadischen Nutzung, betont der Generaldirektor. "Wir nehmen dem Teller nichts weg." Er fordert eine "vernünftige Debatte, ansonsten wird es nie petrochemische Ersatzstoffe geben". Beispielsweise stamme die Stärke aus Futtermais, dem diese entzogen wird, um den Eiweißanteil im Futtermais zu erhöhen.

(Schluss) phs/tsk

 ISIN  AT000AGRANA3
 WEB   http://www.agrana.com


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Quelle: APA, Meldungen der letzten 4 Wochen