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Gewinn von UniCredit bricht ein - Lichtblicke bei Firmenkunden

06.08.2020, 15:35:00

Kleiner Gewinn von 3 Mio. Euro bei Österreich-Tochter Bank Austria - UniCredit-Chef Mustier bestätigte Ausblick

Die italienische Großbank und Bank-Austria-Mutter UniCredit sieht Licht am Ende des Tunnels. Im zweiten Quartal brach der Gewinn zwar um 77 Prozent auf 420 Millionen Euro ein, wie die Bank am Donnerstag mitteilte. Trotz einer deutlich erhöhten Risikovorsorge für gefährdete Kredite fiel der Überschuss aber höher aus, als Experten erwartet hatten.

Außerdem war zu Jahresbeginn unter anderem wegen des Konzernumbaus noch ein milliardenhoher Verlust zu Buche gestanden. "Wir sehen erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung", sagte Bankchef Jean Pierre Mustier. An der Börse in Mailand sorgte der positive Teil der Neuigkeiten nur kurzzeitig für einen Kursanstieg. Danach ging es deutlich abwärts. Am frühen Nachmittag lag die UniCredit-Aktie mit fast 6 Prozent im Minus bei 7,64 Euro. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier mehr als 40 Prozent an Wert eingebüßt.

Das Geschäft mit Firmenkunden habe nach dem Lockdown in Folge der Coronapandemie wieder angezogen, erklärte der Vorstand. Die deutsche Tochter HypoVereinsbank (HVB) schlug sich im zweiten Quartal vergleichsweise gut. Die Erträge gingen weniger stark zurück als in Italien, Österreich und in Osteuropa. Zuwächse erzielte die Bank auch im Handel. Insgesamt fielen die Erträge um 5 Prozent auf 4,17 Mrd. Euro.

Bei der Österreich-Tochter Bank Austria gingen die Einnahmen im zweiten Quartal um mehr als ein Fünftel (minus 21,6 Prozent) auf 303 Mio. Euro zurück. Unterm Strich stand ein Gewinn von 3 Mio. Euro, nach einem Verlust von 58 Mio. Euro im ersten Quartal 2020. Gegenüber dem Vorjahresquartal entsprach das jedoch einem Einbruch um 98,4 Prozent.

Der Gewinn bei der Bank Austria sei von einer einmaligen Abschreibung in Höhe von 63 Mio. Euro im Zusammenhang mit der 3-Banken-Gruppe beeinflusst gewesen, hieß es im Halbjahresbericht der Bank. Im Jahresvergleich seien die Dividendeneinnahmen aufgrund eines geringeren Beitrags der 3-Banken-Gruppe deutlich gesunken.

UniCredit-Chef Mustier bestätigte die im ersten Quartal zurückgenommene Prognose für einen bereinigten Gewinn 2021 von 3 bis 3,5 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr stelle er lediglich in Aussicht, in den schwarzen Zahlen zu bleiben. Italien ist eines der Länder in Europa mit den meisten Covid-19-Infektionen. Die Wirtschaft leidet besonders stark unter den monatelangen Ausgangssperren. Schon vor der Coronakrise kämpften die Banken dort mit massenhaft faulen Krediten. Nun drohen neue Belastungen durch die sich abzeichnende Welle von Firmenpleiten.

Ursprünglich hatte die Bank für 2020 einen um Sondereffekte bereinigten Gewinn von 4,3 Mrd. Euro angepeilt. Bis 2023 hätte der Wert auf 5 Mrd. Euro steigen sollen - doch das war vor Corona. Jetzt muss Mustier an der Strategie feilen und vermutlich noch mehr sparen. Für Details ist es aber noch zu früh. Diese sollen Anfang 2021 vorgestellt werden.

Ende vergangenen Jahres hatte Mustier den Abbau von weiteren 8.000 der damals noch knapp 85.000 Stellen sowie die Schließung weiterer Filialen angekündigt. Mit 5.500 Arbeitsplätzen soll der Großteil des Stellenabbaus in Italien erfolgen. Auf Österreich und Deutschland sollen die restlichen 2.500 entfallen.

Im zweiten Quartal schrieb die UniCredit 937 Mio. Euro auf Kreditausfälle ab, ein Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum. Rund 10 Prozent des gesamten Kreditportfolios entfallen auf die von der Coronakrise besonders schwer betroffenen Sektoren Schifffahrt, Fluggesellschaften und Tourismus. Im ersten Halbjahr summiert sich die Risikovorsorge damit auf 2,2 Mrd. Euro.

Mustier hat Italiens größter Bank seit seinem Amtsantritt Mitte 2016 einen tiefgreifenden Konzernumbau verordnet, dem tausende Stellen und zahlreiche Filialen zum Opfer fielen. Für seine Fortschritte beim Umbau hatte er viel Lob von Investoren geerntet, doch mit der Coronakrise nahmen die Sorgen wieder zu.

Im ersten Quartal hatte die Bank wegen der hohen Sonderbelastungen durch die Coronakrise, des verlustreichen Verkaufs einer Beteiligung in der Türkei und Kosten für einen Stellenabbau noch einen Verlust von 2,7 Mrd. Euro verbucht. Nach den ersten sechs Monaten steht unter dem Strich noch ein Minus von knapp 2,3 Mrd. Euro zu Buche.

(Schluss) bel/cs

 ISIN  IT0004781412
 WEB   https://www.unicreditgroup.eu
       http://www.bankaustria.at


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