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Coronakrise verursachte hohe Verluste bei AUA und Lufthansa

06.08.2020, 08:45:00

AUA schrieb während Corona-Flugpause Verlust von 99 Mio. Euro - Umsatz brach im zweiten Quartal von 594 auf 35 Mio. Euro ein - Milliardenverlust bei Mutterkonzern Lufthansa

Die Coronavirus-Pandemie hat dem Lufthansa-Konzern im zweiten Quartal Milliardenverluste eingebrockt. Unter dem Strich stand ein Minus von rund 1,5 Mrd. Euro, nach einem Gewinn von 226 Mio. Euro ein Jahr zuvor. Der Betriebsverlust (bereinigtes Ebit) lag mit 1,7 Mrd. Euro noch höher. Bei der Tochter AUA betrug der operative Verlust 99 Mio. Euro, nach 46 Mio. Euro Gewinn im zweiten Quartal 2019.

"Die weltweiten Reisebeschränkungen haben den Betrieb im zweiten Quartal fast zur Gänze zum Erliegen gebracht. Erst seit der Wiederaufnahme des Flugbetriebs am 15. Juni erholt sich unser Geschäft langsam", erklärte AUA-Finanzchef Wolfgang Jani am Donnerstag in einer Aussendung.

Der Umsatz der AUA brach um 94 Prozent auf 35 Mio. Euro ein. Die Fluglinie beförderte im zweiten Quartal nicht mehr als 53.000 Passagiere. "Das haben wir in guten Zeiten normalerweise in eineinhalb Tagen", wie eine AUA-Sprecherin zur APA sagte. Im zweiten Quartal 2019 waren rund vier Millionen Menschen mit der AUA geflogen.

Die Coronakrise wird der AUA heuer Rekordverluste bescheren. Nach sechs Monaten beträgt der operative Verlust bereinigt bereits 235 Mio. Euro, unbereinigt sind es 299 Mio. Euro. Um das Überleben der Airline zu sichern, schossen Eigentümer Lufthansa und die Bundesregierung 600 Mio. Euro in Form von Krediten und Kapitalspritzen zu.

Die Zahl der Mitarbeiter sank bei der AUA bisher von 6.999 auf 6.756. Aufgrund der Kurzarbeit und dem Wegfall der Kerosinkosten im zweiten Quartal reduzierten sich die Gesamtaufwendungen im ersten Halbjahr um 44 Prozent auf 598 Mio. Euro.

In Frankfurt in der Konzernzentrale stimmte Vorstandschef Carsten Spohr die Belegschaft auf einen härten Stellenabbau ein. Der Plan, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, sei angesichts der Entwicklungen im weltweiten Luftverkehr und der Verhandlungen mit den Gewerkschaften auch für Deutschland nicht mehr realistisch, teilte der inzwischen teilverstaatlichte deutsche Konzern bei der Vorlage seiner Quartalsbilanz am Donnerstag mit.

"Wir erleben eine Zäsur des globalen Luftverkehrs", erklärte Spohr. "Vor 2024 rechnen wir nicht mehr mit einer anhaltenden Rückkehr der Nachfrage auf das Vorkrisenniveau." Vor allem auf den Langstreckenverbindungen werde es keine schnelle Erholung geben. Der Konzern will deshalb seine Kosten bis zum Jahr 2023 um 15 Prozent senken, die Flotte um mindestens 100 Flugzeuge verkleinern und 22.000 Vollzeitstellen abbauen. Bis Ende Juni hat der AUA-Mutterkonzern die Zahl der Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahr bereits um knapp 8.300 gesenkt.

Dass es für den Konzern im zweiten Quartal nicht noch schlimmer kam, verdankte das Unternehmen einem Rekordergebnis seiner Frachttochter Lufthansa Cargo, die von der stark gestiegenen Nachfrage nach Frachtflügen profitierte. Bei nur noch 4 Prozent der Fluggäste im Vergleich zum Vorjahreszeitraum brach der Umsatz um 80 Prozent auf 1,9 Mrd. Euro ein.

Auch wenn der operative Verlust im niedriger ausfiel als von Analysten erwartet, türmte sich konzernweit im ersten Halbjahr ein Rekord-Nettoverlust von drei Milliarden Euro auf. Die Lufthansa erklärte, auch im zweiten Halbjahr sei trotz des wieder wachsenden Luftverkehrs mit einem deutlichen Verlust zu rechnen. Analysten erwarteten zuletzt für 2020 ein Minus von rund fünf Milliarden Euro beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern.

Während in Europa seit Juni mehr und mehr Flüge abheben, liegt die für die Lufthansa wichtige Langstrecke, etwa in die USA, wegen der Pandemie weitgehend brach. Durch erneute Ausbrüche in Regionen wie zuletzt in Nordspanien kommt es zu Rückschlägen. Für Luftfahrt und Tourismus, die am härtesten von der Pandemie betroffenen Branchen, ist eine zweite Corona-Welle die größte Sorge. Die Lufthansa musste vom deutschen Steuerzahler mit 9 Mrd. Euro an staatlicher Finanzhilfe vor der Pleite gerettet werden.

(Schluss/Weiterer Bericht nach AUA-PK) pro/rf

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