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APA News

RBI-Brezinschek: Geldpolitik kann politische Probleme nicht lösen

29.07.2019, 13:10:00

Erwartungen an Handlungsfähigkeit der Notenbanken sind zu hoch - Konjunkturdaten sprechen nicht für weitere Lockerungsmaßnahmen

Die Geldpolitik alleine wird konjunkturelle Sorgen, die sich großteils aus politischen Themen wie Handelskonflikten, dem Umgang mit dem Klimawandel oder dem Brexit ergeben, nicht lösen, sagte der Chefökonom der Raiffeisen Bank International (RBI), Peter Brezinschek, am Montag vor Journalisten. "Der Geldpolitik werden Dinge aufgebürdet, die sie nicht erfüllen kann", so Brezinschek.

Die Politik würde zunehmend von den Notenbanken erwarten, dass sie konjunkturelle Entwicklungen über den Zinssatz beeinflusst. Vielmehr müssten momentan politische Lösungen gefunden werden, die positive Impulse für die Konjunktur liefern. "Die Gefahr liegt dort, wo die Politik derzeit untätig ist", sagte Brezinschek mit Blick auf fehlende Klimapolitik, geopolitische Probleme und die nach wie vor ungelösten Handelskriege. Die Notenbanken müssten die Politik zwar unterstützen, die Erwartungen an die Handlungsfähigkeit der Zentralbanken seien aber stark überzogen.

So wird am Markt angesichts der sich eintrübenden Konjunkturerwartungen mit einer Zinssenkung der US-Notenbank Fed am Mittwoch gerechnet und auch der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hat am vergangenen Donnerstag erneute Lockerungen angedeutet. Die RBI erwartet eine Senkung des US-Leitzinses um 25 Basispunkte und geht davon aus, dass im Dezember eine weitere Senkung um 25 Basispunkte folgt. Die EZB dürfte dagegen den Leitzins noch länger bei Null halten, allerdings hält Brezinschek eine Neuauflage des Anleihenkaufprogramms für möglich. Zudem rechnet die RBI damit, dass der Strafzins für Banken gestaffelt wird, um die Profitabilität der Kreditinstitute nicht zu gefährden. Das Basisniveau von derzeit minus 0,4 Prozent dürfte zunächst jedoch unangetastet bleiben.

Betrachtet man jedoch die aktuelle Wirtschaftslage, spreche diese eigentlich nicht für weitere Lockerungsmaßnahmen, so Brezinschek. In den USA sind die Arbeitslosenzahlen weiter gering, während die Stundenlöhne langsam steigen. Die jüngsten Zahlen zum BIP sowie zur Inflation fielen besser aus als erwartet und auch die Industrieproduktionszahlen weisen weiterhin ein leichtes Plus auf.

Auch in Europa hätten die jüngsten Zahlen zur Geldmengenentwicklung und Kreditvergabe keinen Anlass für weitere Lockerungen gegeben. Das Wachstum sei hier schon seit 2016 recht solide. Die niedrigen Renditen auf Staatsanleihen würden ebenfalls nicht für expansivere geldpolitische Maßnahmen sprechen, so der RBI-Ökonom. Derzeit weisen laut RBI-Daten rund 60 Prozent aller Eurozonen-Staatsanleihen eine negative Rendite auf.

Vom anstehenden Personalwechsel in der EZB erwartet Brezinschek keine Trendwende im derzeitigen geldpolitischen Kurs. Die ehemalige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, soll die Zentralbank ab November leiten. "Lagarde wird die ersten 12 Monate ihrer Amtszeit nichts anderes als den Geist von Mario Draghi exekutieren", so der Ökonom. Dass mit ihr eine Politikerin an die Spitze der EZB kommt, sei die perfekte Fortsetzung der Entwicklung, dass die Geldpolitik immer stärker im Dienst der Politik steht, sagte Brezinschek.

Für die Anleger bedeute die Aussicht auf noch lange niedrig bleibende Zinsen, dass ein breit gestreutes Aktienportfolio - beispielsweise in Form eines Fonds - quasi die einzige Variante bleibt, wenn es darum geht, langfristig Rendite zu erzielen, sagte Brezinschek. Zudem dürften Investitionen in Immobilien auch in Zukunft hoch im Kurs stehen, denn die Kreditkonditionen seien sehr günstig und dürften es in Anbetracht der derzeitigen Geldpolitik auch noch für längere Zeit bleiben.

(Schluss) bel/ivn

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Quelle: APA, Meldungen der letzten 4 Wochen