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APA News

WIIW: Vorsichtiger Aufschwung im Osten, "Gespenst der Ungewissheit"

16.03.2017, 13:38:00

Unsicherheit durch Polit-Risiken - Wirtschaft wieder auf Konvergenzpfad - Lage am Arbeitsmarkt verbessert - Wachstumstreiber Konsum und Investitionen

Einen vorsichtigen Aufschwung für die Wirtschaft in Mittel-, Ost- und Südosteuropa sieht das WIIW - allerdings verfolgt "vom Gespenst der Ungewissheit", so der Tenor der heute präsentierten Frühjahrsprognose. Das Wachstum wird 2019 im Durchschnitt die 3-Prozent-Marke überschreiten. Risiken kommen vor allem aus der Politik, wie dem Brexit oder Plänen von US-Präsident Donald Trump.

Das WIIW sage trotz der geopolitischen Risiken aus heutiger optimistischer Sicht, dass die Region wieder auf dem Weg der Konvergenz sei, so WIIW-Ökonom Mario Holzner am Donnerstag in einer Pressekonferenz. Das internationale wirtschaftliche Umfeld wirke größtenteils positiv. Der durchschnittliche Wachstumsvorsprung zur Eurozone wird vom WIIW mit 1,2 Prozentpunkten für den Prognosezeitraum 2017 bis 2019 erwartet, das durchschnittliche Wachstum in Osteuropa bei 3 Prozent liegen, Tendenz steigend. Überdurchschnittlich wird die Wirtschaft vor allem in Rumänien und Ungarn wachsen. In der Türkei wird ein deutlich schwächeres Wachstum erwartet, nach noch 6 Prozent 2015. Wachstumstreiber in der Region sind Investitionen und Konsum. Höhere Lohnstückkosten werden die Wettbewerbsfähigkeit nicht beeinträchtigen.

Die Arbeitsmarktlage hat sich verbessert - die Arbeitslosenzahl ist gesunken, die Erwerbsbevölkerung stagniert. Erwartet wird auch ein Anziehen der Inflation.

Die Ausbildung der Arbeitskräfte wird immer besser, die Löhne steigen. Eine Rolle spielten dabei unter anderem die Migration und die Alterung der Gesellschaft, so Holzner. Man bewege sich langsam in Richtung Vollbeschäftigung. In den EU-Mitgliedsländern wird bis 2019 ein Rückgang der Arbeitslosenrate auf 6 Prozent erwartet, in Ungarn und Tschechien sogar unter 5 Prozent, die höchste in Kroatien mit 12 Prozent. In großen Teilen gebe es sogar einen Arbeitskräftemangel, so Holzner. Ein besseres Wachstum in der Region werde zur Folge haben, dass sich der Zustrom ausländischer Arbeitskräfte nach Österreich reduzieren werde, es beispielsweise für Ungarn weniger Gründe gebe, nach Österreich zu migrieren. Die von der österreichischen Regierung geplanten Kürzungen der Familienbeihilfe für ausländische Arbeitskräfte belasteten vor allem individuell, seien volkswirtschaftlich aber nicht ein Faktor, der einen großen Unterschied mache.

Als politische Risiken nannte Holzner generell autoritäre Tendenzen und Anti-EU-Populismus. Der Brexit werde eine starke Auswirkung auf die Transferzahlungen nach Osteuropa haben - die Länder müssten hier mit erheblichen Einbußen in den Transfers rechnen. Ebenfalls problematisch sein werde die Frage der Migration.

Die Trump-Präsidentschaft sei eine wesentliche Unsicherheitsfrage. So habe der US-Präsident das ganze NATO-Gebilde in Frage gestellt, ein Unsicherheitsfaktor für Polen und die baltischen Länder. Und auch das Liebäugeln mit dem Protektionismus könnte für diese Region "sehr problematisch", da es sich um Länder mit starken Exportquoten handle.

Die wachsenden Irritationen unter einigen älteren EU-Mitgliedern mit den osteuropäischen Unionsmitgliedern sowie die Brexit-Auswirkungen könnten mittlerweile eine Gefahr für die West-Ost-Fiskaltransfers und die Arbeitskräfte-Freizügigkeit in der EU in der aktuellen Form darstellen, so das WIIW.

Am Westbalkan seien die Unsicherheiten vor allem mit der Stabilität des bisherigen Systems verbunden, das diese fragile Region bisher zusammengehalten habe, sagte Holzner. Es habe einerseits den Faktor des EU-Zuckerbrots gegeben - Wirtschaftshilfen und die Aussicht, zumindest in ferner Zukunft EU-Mitglied zu werden, und andererseits den Sicherheitsaspekt - "die US-Peitsche", wenn man so wolle, mit NATO-Präsenz und Garantie der Grenzen innerhalb der Region. Würden diese beiden Faktoren in Frage gestellt, sei dies "natürlich eine Katastrophe für diese Region" und könnte anderen Mächten wie Russland und der Türkei Gelegenheit bieten, vielleicht zu intervenieren.

Wichtigste Treiber für das Wirtschaftswachstum in der Region werden der Haushaltskonsum und zunehmend auch die Investitionen sein, so das WIIW. Bei den Konsumausgaben gebe es einen verstärkten Trend zu Luxusgütern, etwa Computern und Handys. In der EU seien die Auszahlungen aus dem aktuellen Zyklus der Struktur- und Investitionsfonds am Anfang, ein Anstieg der kofinanzierten Investitionen in den osteuropäischen Mitgliedsländern sei ab heuer zu erwarten.

Die Wettbewerbsfähigkeit werde trotz einer Steigerung der Lohnstückkosten aber mittelfristig nicht gefährdet sein. Ein Großteil der aktuellen Daten zur Industrieproduktion deute auf eine anhaltende Verbesserung der Industriestruktur, vor allem in den Visegrad-Ländern. In einigen Fällen könne man sogar auf einen Reindustrialisierungsprozess schließen. Längerfristig seien ausländische Investitionen vor allem für die Westbalkanländer vielversprechend, auch in Rumänien und in der Slowakei seien die Aussichten günstig - vor allem im Autosektor.

(GRAFIK 0283-17, Format 88 x 148 mm) (Schluss) itz/ivn

 ISIN   
 WEB   http://www.wiiw.ac.at/


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Quelle: APA, Meldungen der letzten 4 Wochen