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Gewinn von Wienerberger ging 2020 in den Keller

24.02.2021, 12:25:00

Nettoergebnis sank 2020 gegenüber 2019 von 249,1 auf 88,5 Mio. Euro - Umsatz ging um nur 3 Prozent auf 3,35 Mrd. Euro zurück - Dividende soll unverändert bei 60 Cent je Aktie bleiben

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AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Neu: Nach Bilanzpressekonferenz durchgängig mit CEO-Statements
überarbeitet
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Der weltgrößte Ziegelhersteller Wienerberger hat
2020 vor allem hohe Abschreibungen in Nordamerika sowie die
Coronakrise mit voller Wucht zu spüren bekommen. Unter dem Strich
blieb ein Gewinn von 89 Mio. Euro - um fast zwei Drittel weniger als
im Jahr davor (249,1 Mio. Euro), wie aus der aktuellen Bilanz
hervorgeht. Der Umsatz verringerte sich um nur 3 Prozent auf 3,35
Mrd. Euro. Bei der Höhe der Dividende soll es keine Abstriche geben.
"Unabhängig von der Pandemie haben wir fast 100 Mio. Euro in
Nordamerika und etwa 20 Mio. Euro in Russland abgeschrieben",
erklärte Konzernchef Heimo Scheuch am Mittwoch in der
Online-Bilanzpressekonferenz den eklatanten Rückgang des
Nettogewinns. Das habe natürlich das Ergebnis beeinträchtigt, "hat
aber mit der operativen Performance nichts zu tun". Konkret wurden
in Amerika Firmenwertabschreibungen in Höhe von 90 Mio. Euro nötig,
in Russland wurden Vermögensgegenstände im Volumen von 22 Mio. Euro
abgeschrieben.
Aufgrund der Lockdowns sei es im abgelaufenen Geschäftsjahr in
zahlreichen Schlüsselmärkten zu oft längeren Unterbrechungen der
Geschäftstätigkeiten gekommen. Wienerberger setzte eigenen Angaben
zufolge weiter "striktes Kostenmanagement und
Effizienzsteigerungsmaßnahmen" um, setzt also den Sparstift an. Der
weltweite Personalstand wurde gegenüber dem Jahr davor von im
Schnitt 17.234 auf 16.619 Mitarbeiter gekappt (minus 4 Prozent).
Insgesamt sei der europäische Ziegelbereich "natürlich massiv
geprägt von den Lockdowns" gewesen - vor allem im zweiten Quartal
2020. "Wir haben bereits in der Vergangenheit die notwendigen
Voraussetzungen geschaffen, um rasch auf unvorhersehbare Ereignisse
reagieren zu können", betonte Scheuch. "So konnten wir die Krise
meistern, konsequent an der Fortsetzung unserer Wachstumsstrategie
arbeiten und uns optimal für die Zukunft positionieren."
Wienerberger hat sich den Unternehmensangaben zufolge auch im
Geschäftsjahr 2020 auf die "Transformation des Produktportfolios"
konzentriert - dieses sei weiter optimiert und durch "intelligente
Systemlösungen" erweitert worden.
Die Akquisition des volumenmäßig größten
US-Fassadenziegelherstellers Meridian Brick im vierten Quartal 2020
befindet sich noch im Genehmigungsprozess, schlägt sich also erst in
der heurigen Bilanz nieder. Den Ankauf lässt sich der Konzern den
damaligen Angaben zufolge 250 Mio. Dollar (rund 200 Mio. Euro)
kosten. "Mit der geplanten Übernahme kommt es zu einer Verdoppelung
des amerikanischen Geschäfts", erwartet der CEO. Derzeit werden dort
etwa 330 Mio. Dollar Umsatz erzielt, bis 2023 sollen es 800 Mio.
Dollar sein.
Im Rohrbereich in den Niederlanden stehen mit dem Ankauf von
Inter Act die Zeichen ebenfalls auf Wachstum - "weg vom Rohr zum
Lösungsanbieter". Das niederländische Unternehmen bietet Web- und
Cloud-Lösungen an und spezialisiert sich dabei auf die Anwendung im
Bereich Smart Cities und Wassermanagement. "Das heißt, das
Unternehmen entwickelt sich kontinuierlich weiter, auch in
Krisenzeiten", fasste Scheuch die Konzernstrategie zusammen.
Parallel zu den Zukäufen trennte sich Wienerberger von ihren
Schweizer Aktivitäten, "weil sie zu klein sind", so der Konzernchef
mit Blick auf die "Umschichtung von eher rückläufigen Märkten zu
Wachstumsmärkten".
Dabei verwies der CEO weiters auf Produktinnovationen wie etwa
Photovoltaik-Dachziegel und vorgefertigte Zisternen für den
Rohrbereich. Beim bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und
Abschreibungen (EBITDA) will der Konzern bereits heuer wieder auf
"ein Vorkrisenniveau" kommen.
"Die Wienerberger zeigt ihre Stärke mit neuen Produkten - durch
organisches Wachstum, durch Innovation und Mergers & Acquisitions
werden wir in den nächsten Jahren stärker als der Markt wachsen, bei
einem klaren 'Commitment' zu 'ESG' (Nachhaltigkeit, Anm.)", so der
Plan. Der CO2-Ausstoß soll bis 2023 um 15 Prozent gesenkt werden.
"Und wir 'committen' uns für unsere neuen Produkte schon heute zu
100 Prozent Kreislaufwirtschaft, an den rund 200 Standorten, die wir
betreiben", sagte Scheuch. Wienerberger werde an jedem Standort
einen Biodiversitätsplan haben.
Für das Geschäftsjahr 2021 hat sich das Management zum Ziel
gesetzt, das bereinigte EBITDA "unabhängig von den durch
Covid-19-bedingten und nach wie vor bestehenden Herausforderungen
auf 600 bis 620 Mio. Euro zu steigern und damit auf ein
Vorkrisenniveau zurückzukehren". Im abgelaufenen Jahr betrug es
565,6 Mio. Euro (minus 5 Prozent). Nicht bereinigt lag das EBITDA
bei 610 Mio. Euro (minus 9 Prozent). Nun sei im EBITDA-Bereich ein
Wachstum von 7 bis 11 Prozent geplant. Das erste Quartal 2021 werde
"stärker vom Winter geprägt sein als voriges Jahr - wir hatten in
den ersten Wochen einen durchaus strengen Winter, der
Geschäftsverlauf wird etwas unter dem Vorjahr sein", erwartet der
CEO.
Im gesamten abgelaufenen Geschäftsjahr 2020 erzielte Wienerberger
einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 192,5 Mio. Euro - das
waren um 47 Prozent weniger als 2019 (362,7 Mio. Euro). Der Gewinn
vor Steuern (EBT) halbierte sich im Jahresabstand von 315,3 auf
148,7 Mio. Euro. Das Ergebnis pro Aktie (EPS) ging von 2,18 auf 0,79
Euro massiv nach unten. Der Konzern will dennoch eine unverändert
hohe Dividende von 60 Cent pro Anteilsschein auszahlen. Das
Nettoergebnis war von nicht liquiditätswirksamen Wertberichtigungen
im ersten Quartal 2020 beeinträchtigt.
Per Jahresende verfügte Wienerberger über liquide Mittel von 666
Mio. Euro (2019: 129 Mio. Euro). Die Finanzstruktur sei durch den
Rückkauf der Hybridanleihe für rund 215 Mio. Euro (Rückführung am 9.
Februar 2021) sowie die Emission des ersten Green Bonds weiter
verbessert worden. Die Hybridanleihe sei zuvor in der Bilanz als
Eigenkapital geführt worden und daher nicht Teil der bisher
berichteten Nettoverschuldung gewesen. Trotz dieser Maßnahmen, sowie
Ausschüttung der Dividende (70 Mio. Euro) und Aktienrückkaufs (20
Mio. Euro), sei die Nettoverschuldung (vor Hybrid) auf 657 Mio. Euro
gesunken. "Über 300 Mio. Euro sind an Investoren zurückgeflossen,
und das im Krisenjahr", rechnete Scheuch zusammen.
Wienerberger ist als Ziegelproduzent (Porotherm, Terca) laut
Eigenangaben auch Marktführer bei Tondachziegeln (Koramic, Tondach)
in Europa sowie bei Betonflächenbefestigungen (Semmelrock) in
Osteuropa. Bei Rohrsystemen (Steinzeugrohre der Marke
Steinzeug-Keramo und Kunststoffrohre der Marke Pipelife) zählt sich
das Unternehmen zu den führenden Anbietern in Europa.
(GRAFIK-0267-21, Format 88 x 84 mm)
 (Schluss) kre/bel/kan
 ISIN  AT0000831706
 WEB   http://www.wienerberger.com


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Quelle: APA, Meldungen der letzten 4 Wochen