Thomas Neuhold, Head of Austrian Equity Research, Kepler Cheuvreux

Dieser Sommer war insbesondere durch die niedrige und stabile Volatilität quer über die wichtigsten Anlageklassen charakterisiert. Die sommerliche Konsolidierung auf den Aktienmärkten hat sich dabei von einer sehr freundlichen Natur gezeigt, die eher auf eine Fortsetzung als eine Umkehr der jüngsten Trends an den Märkten schließen lässt. Die Phase der niedrigen Volatilität hatte auch eine weitere, wenn auch moderate, Verengung der Spreads im High Yield-Bereich zur Folge. Defensive Aktien performten hingegen auf allen zentralen Märkten eher unterdurchschnittlich. Der Konsensus der Investment-Community blieb auffallend vorsichtig, wenn nicht sogar bearish. Vor diesem Hintergrund sind wir nicht überrascht, dass der September mit einem lang erwarteten Ausbruch europäischer Aktienmärkte begonnen hat. Diese Performance fußt jedoch zu einem großen Anteil auf den Finanzwerten, insbesondere auf den Banken.

Im ersten Halbjahr 2016 waren europäische Aktienmärkte speziell durch die Erholung von qualitativ untergeordneten Value-Aktien geprägt, deren Performance durch den Aufwind an den Rohstoff- und Schwellenlandmärkten angefacht wurde. Die Stabilisierung der realen Renditen an den US-Kreditmärkten, die in Q3 2016 beobachtet werden konnte, signalisiert jedoch das Ende der Outperformance dieser Aktien: Rohstoffaktien befinden sich nun in einer Phase der Konsolidierung. Die Konsequenz daraus ist, dass das prägende Element an den europäischen Aktienmärkten seit Jahresmitte nicht mehr im Bereich Rohstoff/Schwellenland zu finden ist, sondern im Bereich globales zyklisches Wachstum: Dieser Wechsel wird durch die deutlichen Kursgewinne von europäischen Industriezyklikern in den letzten beiden Monaten bewiesen. Der Börsensommer 2016 stand jedoch noch unter einem anderen Stern: Europäische Bankwerte schlagen sich eindeutig besser, auch innerhalb der Eurozone. Grund dafür sind nicht nur die Erwartungen an höhere US-Dollar-Zinsen, sondern auch eine Reihe anderer Faktoren. Auch im festverzinslichen Bereich innerhalb des Bankensektors machte sich diese Erholung spürbar. Es scheint überdies, als wäre die Abwärtsrevidierung der Ertragskennzahlen größtenteils ausgereizt.

Der österreichische Aktienmarkt schlug sich in den vergangenen zwölf Monaten mittelmäßig. Der ATX, der immer wieder volatilen Tradingphasen ausgesetzt war, stieg YOY um ca. 5 %. Durch die Korrektur an den Rohstoffmärkten performten besonders exportorientierte und industrielle Unternehmen innerhalb des ATX sehr gut. Wir bevorzugen nach wie vor Unternehmen mit nichtzyklischem Geschäftsmodell, solider Bilanz und einer hohen, nachhaltigen Dividendenrendite.


Autor:
Mag. Thomas Neuhold
Head of Austrian Equity Research
Kepler Cheuvreux
5. September 2016

Kepler Cheuvreux
ÖVFA - Österreichische Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management

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