Mag. Stefan Maxian, Vizepräsident der ÖVFA, Head of Department Company Research, Raiffeisen Centrobank AG

Auch die CEE-Aktienmärkte starteten gut in das Jahr 2015, entwickelten sich allerdings heterogen: Während die CE-Aktienindizes aus Ungarn und Tschechien markant positiv ins Jahr starteten und der russische Aktienmarkt zu einer Erholungsrallye ansetzte, entwickelten sich die Indizes aus der SEE-Region sowie aus der Türkei deutlich verhaltener.

Top-Performer in der Region war der ungarische Aktienmarkt mit einem Indexanstieg von 25 %. Die Rallye war besonders durch den 40 % Kursanstieg der ungarische Bank OTP getragen. Eine breit angelegte Regierungs- und Nationalbankinitiative zur Effizienzsteigerung des ungarischen Bankenumfelds mit einer signifikanten Senkung der Bankensteuer und einer neuen Kreditinitiative für KMUs als Kernelemente der Reform führten zu einer Neubewertung der Aktie. Hinzu kommt, dass auch die makroökonomischen Rahmenbedingungen mit einem erwarteten BIP-Wachstum 2015 in Höhe von 2,5 % durchaus solide erscheinen und ein Upgrade des Länderratings auf breiter Basis antizipiert wurde.

Nach der außerordentlich starken Performance in den Monaten Jänner und Februar legte der russische Leitindex MICEX im März eine Verschnaufpause ein. Getrieben wurde diese Entwicklung durch die zwischenzeitliche Erholung des Ölpreises einerseits und der Waffenruhe im Zuge des Minsk II-Abkommens andererseits. Wenngleich das Zustandekommen von Minsk II grundsätzlich positiv zu werten ist, gestaltet sich die Implementierung schwierig. Eng an den Umsetzungserfolg dürfte auch die Frage gekoppelt sein, ob und in welchem Ausmaß die Sanktionen der EU gegen Russland verlängert bzw. gelockert werden.

Mit einer mäßigen Performance von 4,5 % seit Jahresbeginn positioniert sich der polnische WIG 30 klar hinter seine lokalen Pendants aus Ungarn und Tschechien. Dies ist aber kaum auf das wirtschaftliche Umfeld zurückzuführen, da sich dieses mit einem erwarteten BIP-Wachstum 2015 in Höhe von 3,5 % durchwegs solide präsentiert. Dämpfend erwiesen sich die Suche nach einer Lösung für CHF-Hypothekarkredite teilweise zu Lasten der Kreditinstitute (mit dem Vorbild Ungarns als Worst-Case Szenario für Banken), eine höher als erwartete Zinssenkung mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Zinsmarge von Banken sowie staatliche Pläne für eine Reorganisation von defizitären Kohleminen möglicherweise auch unter Einbeziehung der börsenotierten Versorger. Die Sorge vor „Wahlzuckerln“ vor den Parlamentswahlen im Herbst hat in diesem Zusammenhang das Investorensentiment getrübt. Auch die Auswirkungen der letztjährigen Pensionsreform dürften weiterhin zur Underperformance beigetragen haben.

Als Strategie für das 2. Quartal empfehlen wir ein Übergewichten von Dividendentiteln im Vorfeld der nun beginnenden Dividendensaison. Wir erwarten, dass angesichts der lockeren Geldpolitik der EZB (Quantitative Easing) sowie der niedrigen Renditen bei Corporate Bonds Unternehmen mit einer kontinuierlichen Dividendenpolitik und einer überdurchschnittlichen Dividendenrendite ihren Dividendenabschlag relativ schnell aufholen könnten. Vor diesem Hintergrund erscheint besonders der tschechische Aktienmarkt interessant. Ebenso sehen wir Potential für den polnischen Aktienmarkt die aktuelle Underperformance wieder aufzuholen und erwarten aufgrund des dynamischen Makroumfelds ein positives Momentum bis Jahresende. Auch in Ungarn könnte die aktuelle Diskussion über eine weitere Reduktion von Unternehmenssteuern sowie ein positiver Effekt der aktuellen Rubelerholung bei einigen Unternehmen mit Russlandengagement zu einer weiterhin positiven Marktentwicklung führen.


Autor:
Mag. Stefan Maxian
Head of Department Company Research
Raiffeisen Centrobank AG
10. April 2015

Raiffeisen Centrobank AG
ÖVFA - Österreichische Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management

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