Alois Wögerbauer, CIIA, Geschäftsführer, 3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft m.b.H.

Langjährig erfahrene Börsianer müssen in den letzten Monaten und Jahren immer wieder ernüchtert feststellen, dass sich der Job stark gewandelt hat. Sollte es nicht unsere Aufgabe sein Unternehmen zu analysieren, zu verstehen, zu bewerten? Wir tun das immer noch – so wie wir es immer getan haben. Aber bringt es auch den erwarteten Mehrwert? Oder war nicht vielmehr in letzter Zeit jede Börsenentwicklung davon abhängig welche Aktion die Notenbanken in Frankfurt, New York oder Tokio setzen oder eben nicht setzen? Wochenlang wird über einen möglichen Zinsschritt in den USA diskutiert und jedes Wort von FED-Chefin Yellen tagelang interpretiert? Und zuletzt hat mit dem BREXIT auch in Europa wohl politisch eine neue Zeitrechnung begonnen. Sollte der geübte und überzeugte Stock-Picker in diesem Umfeld resignieren? NEIN!

Auf lange Sicht setzt sich die Qualität eines gut geführten Unternehmens immer durch – wie immer auch das Umfeld der Notenbanken und der Weltpolitik zwischenzeitlich sein mag. Auch in diesem Kommentar zur Wiener Börse möchte ich daher nicht über die möglichen Folgen des BREXIT philosophieren. Letztendlich ist nur eine Folge sicher: Das Null- oder Negativzinsumfeld in der EURO-Zone ist mehr denn je einzementiert.

Ich möchte mir daher nur ganz einfach die Frage stellen, welche Unternehmen visionär in die Zukunft gehen und somit für mich als Aktionär früher oder später Mehrwert schaffen werden. Und wenn möglich sollten diese Unternehmen einen guten Teil ihres geschaffenen Wertes mir in Form einer nachhaltigen Dividende zurückgeben – was sich aufgrund des beschriebenen Zinsumfelds mittelfristig wieder als das wichtigste Argument durchsetzen wird.

Auch am Wiener Markt wird man fündig. Je nach Risikoprofil gibt es langjährig Bewährtes und damit gut Berechenbares – und auch Unternehmen, die mitten in einer Transformationsphase stehen, was naturgemäß Chancen und Risiken erhöht. Dazu einige aktuelle Beispiele aus den Top-Holdings unserer Österreich-Strategie.

Mayr-Melnhof gilt als weitgehend überraschungsfreies Unternehmen. Solide Finanzpolitik, eher vorsichtige Kommunikation – aber kluge Expansion. Verpackung bleibt eine solide defensive Branche. Die Dividendenqualität ist langjährig nachvollziehbar und überzeugend.

Palfinger hat sich der Expansion verschrieben und zuletzt im Marinebereich intelligent zugekauft. Überall wo schwere Lasten gehoben werden will man Teil des Marktes sein. Die allgemeine Weltmarktstellung von Palfinger ist beeindruckend – das wird der BREXIT nicht ändern.

AT&S hat mutig in ein neues Geschäftsfeld investiert, um sich breiter aufzustellen – die Früchte daraus wird man aber erst in den kommenden Jahren ernten. 2016 ist das Jahr der Transformation. Aber gerade im IT-Bereich würde Stillstand Rückschritt bedeuten.

Der Immo-Markt in London wird sich wohl negativ verändern. Jener in Frankfurt speziell und Deutschland generell dagegen aber aufgrund der Nullzinspolitik der EZB weiter Rückenwind haben – diesen Rückenwird wird auch CA Immo spüren. Auch wenn es oft schwer fällt – gerade in den aktuell turbulenten Börsentagen bringt es mehr Wert sich mit Unternehmen zu beschäftigen, als den hundertsten politischen Kommentar zu den Folgen des BREXIT zu lesen.


Autor:
Alois Wögerbauer, CIIA
Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft m.b.H.
29. Juni 2016

3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft m.b.H.
ÖVFA - Österreichische Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management

Hinweis

Die Wiener Börse AG verweist ausdrücklich darauf, dass die angeführten Informationen, Berechnungen und Charts auf Werten aus der Vergangenheit beruhen, aus denen keine Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung oder Wertbeständigkeit gezogen werden können. Im Wertpapiergeschäft sind Kursschwankungen und Kapitalverluste möglich. Der Beitrag gibt die persönliche Meinung des Analysten wieder und stellt keine Finanzanalyse oder Anlageempfehlung der Wiener Börse AG dar.

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