Die Wiener Börse ist günstig -
nicht mehr und nicht weniger…

3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft m.b.H. Geschäftsführer
Die Vergangenheit lehrt uns: Wenn ein Aktienmarkt bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von im
Schnitt unter zehn liegt, die Kurse im Schnitt um etwa zehn Prozent unter dem Buchwert des
Eigenkapitals notieren und zudem Dividenden ausgeschüttet werden, welche die Verzinsung von
Staatsanleihen locker schlagen, dann ist dieser Aktienmarkt günstig. Die Wiener Börse ist daher
derzeit unstrittig attraktiv bewertet, sowohl im eigenen historischen, als auch im internationalen
Vergleich. Aber die Geschichte lehrt uns auch: Nur weil ein Markt günstig ist, muss er noch lange
nicht steigen. Aktienmärkte steigen erst dann wenn Vertrauen und Liquidität zurückkommen – beides
fehlt aktuell. Wird sich dies ändern? Und falls ja, wann? Es wird sich ändern, aber wir wissen
nicht wann. Vor allem wird es davon abhängen, wann ausländische Investoren in stärkerem Maße
zurückkehren. Die Inlandsinvestoren alleine können und werden keinen nachhaltigen Aufschwung
auslösen. Schade auch, dass alle politischen Parteien des Landes die Wichtigkeit eines
funktionierenden Kapitalmarktes für die internationale Konkurrenzfähigkeit unterschätzen. Hier gab
es in den vergangenen Jahren Rückschritte, die für eine führende Industrienation unwürdig sind.
Noch immer in der Vergangenheit haben aber tiefe Bewertungen auf Sicht Käufer angezogen. Es wird
dieses Mal nicht anders sein. Erst wenn das Vertrauen in die Hauptmärkte nachhaltig zurückkommt
wird dies in einer zweiten Welle auch auf Randbörsen wie Österreich übergreifen. Derzeit ist die
Nachrichtenlage zu stark auf Themen wie Griechenland, Spanien & Co. fokussiert. Die Entwicklung
auf der Mikroebene, sowie die Qualität vieler Unternehmen werden kaum wahrgenommen.
Investoren können sich in diesem Umfeld nur positionieren und Geduld mitbringen. Zu warten
bis die Staatsschuldenkrise gelöst ist, wird nicht funktionieren – man würde Jahre warten. Außerdem
würden die Kurse lange vor dieser Lösung – wie immer die auch aussehen mag – steigen. Gerade weil
aber viele festverzinste Investments zu hinterfragen sind, weil entweder die Zinsen zu tief oder
die Risiken zu hoch sind, macht die Beteiligung an Unternehmen Sinn. Mein Rat: Unterteilen Sie die
Aktien in strategische und taktische Käufe. Strategische Investments sind jene, wo Sie planen
langfristig investiert zu bleiben. Zum Beispiel weil das Unternehmen einen Megatrend besetzt, weil
es für die kommenden Jahre gut aufgestellt ist, weil es nicht voll von den sich oft rasch ändernden
Konjunkturerwartungen abhängt, usw. Diese Investments sollten Sie dann auch nicht laufend
hinterfragen, auch wenn der Kurs einmal aufgrund von Marktstimmungen nicht dort steht, wo Sie ihn
gerne hätten. Beispiele für solche strategischen Investments sind: Kapsch TrafficCom, Lenzing,
Andritz. Bei diesen Unternehmen finden Sie eine globale Aufstellung in chancenreichen
Langfristthemen – geführt von einem erfolgreichen heimischen Management. Taktische Investments
dagegen sind Firmen, die man kauft, weil man sie aktuell zu tief bewertet findet. Man muss aber bei
diesen Käufen nicht grundsätzlich einen Mehrjahreshorizont haben. Zu deutlich unter Wert geschlagen
werden derzeit in Wien beispielsweise Immofinanz, wo der Markt die Fortschritte des Managements in
Richtung Profitabilität noch nicht realisiert. Ein weiteres Beispiel ist Raiffeisen International,
wo viele Investoren Osteuropa zu Unrecht pauschal als riskant einstufen. Wenn Sie dann zur
Abrundung, als eine Art Anleiheersatz, noch eine Post-Aktie mit 7 % Dividendenrendite dazukaufen,
dann haben Sie mit etwas Taktik und Strategie schon eine gute Basis für ein solides Depot
geschaffen. Geduld mitbringen und sich nicht irritieren lassen von News Flow aus Griechenland,
Spanien & Co.
Autor:
Alois Wögerbauer, CIIA
Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft m.b.H.
Juli 2012
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Hinweis
Die Wiener Börse AG verweist ausdrücklich darauf, dass die angeführten Informationen, Berechnungen und Charts auf Werten aus der Vergangenheit beruhen, aus denen keine Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung oder Wertbeständigkeit gezogen werden können. Im Wertpapiergeschäft sind Kursschwankungen und Kapitalverluste möglich. Der Beitrag gibt die persönliche Meinung des Analysten wieder und stellt keine Finanzanalyse oder Anlageempfehlung der Wiener Börse AG dar.